Krebsfälle in der Asse – einige Anmerkungen

Latenzzeit oder die Spitze des Eisbergs?

Zwischen einer ionisierenden Strahlenbelastung und dem Auftreten einer Krebserkrankung besteht eine sogenannte Latenzzeit. Diese Latenzzeit ist für die unterschiedlichen Krebsarten unterschiedlich lang.

Die kürzesten Latenzzeit bestehen für Leukämien und Schilddrüsenkrebs.

Bei Kindern wird mit einer Latenzzeit von 2-3 Jahren gerechnet, bei Erwachsenen mit 8 Jahren. Bei anderen Krebsarten liegt sie bei über 10 Jahren.

Man kann daher nicht ausschließen, dass die jetzt bekannt gewordenen Krebsfälle nur die Spitze eines Eisberges sind und andere Krebsfälle erst in einigen Jahren auftreten.

Krebsarten, die durch Strahlenbelastung entstehen können

Die UNSCEAR (United Nations Scientific Committee on he Effects of Atomic Radiation) hat 2000 geäußert, das es die Strahleninduktion für die folgenden Krebslokalisationen ausreichend epidemiologisch dokumentiert hält:

Speiseröhre, Magen, Darm, Leber, Lunge, Knochen, Haut, weibliche Brust, Prostata, Blase, Gehirn, Zentrales Nervensystem, Schilddrüse und Rachen.


Zahlengleichheit

Die verschiedenen Krebsarten sind unterschiedlich empfindlich für eine Auslösung durch Strahlung, wie die folgende Zusammenstellung über den strahlenbedingten Anteil des Krebsrisikos bei den Atombomben-Überlebenden für verschiedene Krebslokalisationen zeigt:

Krebslokalisation strahlenbedingter Anteil (%)
Leukämien 54
Brust 25
Lunge 10
Eierstöcke 15
Darm 12
Magen 4,6
Speiseröhre 11

Angaben nach Little, 2000 (American Cancer Soc.)

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz – wie oben

Das Verhältnis der über den statistisch wahrscheinlichen Leukämiefälle in der Asse aufgetretenen Fällen, liegt ziemlich genau in diesem Verhältnis zu den zu erwartenden Fällen. In den USA mögen das Three-Mile-Island oder die Folgen oberirdischer Atombombenversuche in der Nevada-Wüste gewesen sein. In der hiesigen Region ist eine atypische Belastung nur durch die Asse nachvollziehbar.

Diagnostik

Einerseits: Strahlenbedingte Krebs- und Leukämie-Erkrankungen können nicht von anderweitig bedingten oder verursachten gleichartigen Erkrankungen unterschieden werden.

Das bedeutet, dass es nicht möglich ist, einen naturwissenschaftlichen Beweis für das strahlenbedingte Auftreten einer Erkrankung zu führen. Er kann nur über statistische Methoden geführt.

Andererseits:

Für das strahlenbedingte Leukämie- und Krebsrisiko gibt es keine Schwellendosis. Auch niedriege Dosen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krebs oder Leukämien bei bestrahlten Personen.

Aus der Asse tritt Tritium aus. Auch wenn beteuert wird, dass die Werte unterhalb der zulässigen Grenzwerte liegt, kann nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden ausgeschlossen werden, dass z. B. dieses Tritium krankheitsauslösend ist. Auch auf dieser Seite kann man sich nur auf die auf Wahrscheinlichkeiten basierenden Grenzwerte berufen.

(Exkurs: Unter diesem Hintergrund ist die Durchsetzung von individuellen Haftungsansprüchen schwer zu realisieren. Geringe Realisierung von Haftungsansprüchen auf der einen Seite heißt geringes Haftungsrisiko auf der anderen Seite. Oder: Die Belastung bleibt bei den Betroffenen, die Kosten bei den Betroffenen und den sozialen Sicherungssystemen. Grundsätzlich wäre das Problem nur durch eine „Gefährdungshaftung“ lösbar. Das bedeutet: Wenn durch einen Sturm vom Dach eines Hauses eine Dachziegel fällt und jemanden verletzt, ist der Hausbesitzer auch ohne konkretes eigenes Verschulden in der Haftung. Die Analogie bezogen auf atomare Anlagen: Wenn im Umfeld von Atomanlage ein statistisch häufigeres Auftreten von Krebserkrankungen auftritt, ist hierfür der Betreiber der Anlage haftbar.)

Hinweis:

Kursiv dargestellte Texte, sind Anmerkungen des Verfassers.

In „Normalschrift“ dargestellte Textpassagen, sind inhaltlich hier entnommen.

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