Fukushima und die Placebo-Politik

In den ersten Tagen nach dem klar wurde, dass sich in Fukushima eine Reaktorkatastrophe abzeichnete, kam es zu hektischer Betriebsamkeit im Polit-Geschäft: dreimonatiges Moratorium, Abschaltung der Altreaktoren. Offenkundig ging es darum, sich als handlungsfähig zu inszenieren und sich politisch über die Zeit der aktuell anstehenden Landtagswahlen zu retten. Dies ist nicht neu und wäre auch keinen Blog-Beitrag wert.

Deshalb sollen in diesem Beitrag die Methoden und Mechanismen beleuchtet werden, mit denen diese Placebo-Politik betreiben wird.

Was ist in Fokushima passiert?

Die Reaktorkatastrophe – soweit wir sie kennen und wahrscheinlich auch noch nicht kennen – ist darauf zurückzuführen, dass mehrere Risikofaktoren gleichzeitig gewirkt haben. Ein Erdbeben, der Tsunamie, offenkundige Planungslücken und Pfusch der Betreiber.

Das Erdbeben und der Tsunami haben nicht nur die Sicherheitssysteme der Reaktorblöcke außer Kraft gesetzt. Sie haben auch die regionale Infrastruktur zerstört. Das bedeutet, dass man einerseits faktisch nicht mehr in der Lage ist eine Evakuierung durchzuführen und andererseits daran gehindert ist, schnellstmöglich zu versuchen, „Ersatztechnik“ anzuliefern.

Die Planungslücke, die Kühlsystem nicht redundant auszulegen und sie an einer Stelle zu stationieren, hat dazu geführt, dass sie enbloc ausgefallen sind. Und es wurde offenkundig, dass bei der Wartung der Anlagen schlicht und ergreifend gepfuscht wurde.

Welche logischen Konsequenzen sind offensichtlich?

Die Erkenntnis ist erst einmal trivial.

1. Auch relativ unwahrscheinliche Ereignisse können eintreteten.

2. Es können mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken.

3. Es gibt einen nicht berechenbaren „menschlichen Faktor“

Auf die Risiken der Atomwirtschaft übertragen bedeutet das beispielhaft für eine verantwortungsvolle Politik:

– Unter dem geplanten Endlager liegt Gasblase. Es seit Fukushima unerheblich, wie hoch das Risiko ist, dass diese Gasblase austritt, sich entzündet oder explodiert. Allein das Risiko verbietet es, die Erkundung in Gorleben weiter zu betreiben.

– Ein weiteres Beispiel: Das in Deutschland am meisten von Erdbeben bedrohte Gebiet ist der Rheingraben. Bei einer Bewertung der Risiken eines Atomanlage im Rheingraben muss das Risiko an der Annahme bewerten, dass – vereinfacht ausgedrückt – ein Erdbeben während eines extremen Rheinhochwassers erfolgt.

– Und: Man muss den menschlichen Ausnahmefall berücksichtigen. Atomanlagen sind nicht oder mehr schlecht als recht gegen Flugzeugunfälle gesichert. Erinnern Sie sich: In Afghanistan ist ein (die Nationalität ist da völlig egal) Soldat außer Kontrolle geraten und hat plötzlich das Feuer eröffnet. Man hat auch Situationen völlig falsch eingeschätzt und Entscheidungen getroffen, bei denen Zivilisten in großer Zahl zerbombt wurden. Erinnern Sie sich noch daran, dass ein bundesdeutscher Profilneurotiker mit seinem Sportflugzeug auf dem Roten Platz in Moskau landen musste. Wer kann denn ausschließen, dass irgendjemand aus irgendwelchen Gründen meint, als Luftwaffenpilot in ein AKW „abzustürzen“. Zugegeben: Eine irrwitzig erscheinende Situation. Aber: bei einem irrwitzigen Risiko müssen die Sicherheitsmaßnahmen auf eben diesen Irrwitz abgestellt werden. Denn Fehler verzeiht werden in der Atomwirtschaft nicht verziehen.

Wie reagiert die Politik?

Sinngemäß zitiert:

„Wir werden die Lehren aus Japan ziehen. Man muss überprüfen, ob die Risiken, die Japan zu Problemen geführt haben, bei deutschen Kernkraftwerken eintreten können.

Die Probleme in Japan betreffen Atomkraftwerke. Die Risiken von Endlagern sind damit nicht zu vergleichen.

Schacht Konrad muss man gar nicht untersuchen, da liegt ja noch kein Atommüll.

Von der Asse wissen wir, dass das kein haltbarer Zustand ist, daran ändert Fukushima nichts.“

Was zeigt uns das?

Es wird hochaktive Tätigkeit vorgegaukelt, die dann Stück für Stück relativiert und eingeschränkt wird. Man wirft der Bevölkerung eine Tablette auf den Tisch, die dadurch wirken soll, dass die Bevölkerung denkt, dass sie wirken soll. In der Medizin nennt man das „Placebo“.

Wikipedia sagt zum Begriff Moratorium: Ein Moratorium (lat. morari für „verzögern“, „aufschieben“) ist allgemein die Entscheidung, eine Handlung aufzuschieben oder zeitlich befristet zu unterlassen oder ein Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen.

P.S. Frau Merkel hat eine Ethik-Kommission berufen, die untersuchen soll, unter welchen ethischen Gesichtspunkten der Betrieb von Atomkraftanlagen vertretbar ist. Was soll das Ergebnis dieser Kommission sein? Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne und die Anzahl von .. Spänen ist ethisch vertretbar?

Übersetzen wir das einfach in Klartext: „Was soll Ergebnis dieser Kommission sein; Es ist ethisch vertretbar, das ein Prozentsatz von x in der Bevölkerung von Strahlenschäden (sprich: Krebs) durch den Betrieb oder durch Unfälle betroffen ist?“

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