Gibt Japan den „Schnellen Brüter“ auf?

Tokio – Japan wird womöglich das Projekt aufgeben, die Schnelle-Brüter-Technologie auszubauen. Dies deutete Wissenschaftsminister Yoshiaki Takaki am Freitag an. Ein schneller Brüter läuft mit einem Gemisch aus Uran und Plutonium. Er produziert mehr spaltbares Material, als er verbraucht. Der Experimental-Brüter Monju wird von der japanischen Atom-Lobby als angebliche Energiequelle der Zukunft gepriesen. Ursprünglich wollte sie die Technologie schon 1970 kommerziell einsetzen, nun heißt es, vor 2050 sei dies nicht möglich. Monju hat bereits acht Milliarden Euro verschlungen – ohne Strom zu produzieren. 1995 kam es in Monju zu einem schweren Zwischenfall. Die Anlage steht fast direkt über einer Erdbebenbruchlinie. Japans Atomgegner warnen zudem, für einen schnellen Brüter müsse man eine Plutoniumwirtschaft aufbauen. Fukushima hat eine Mehrheit der Japaner überzeugt, ihr Land sollte die Kernkraft aufgeben. nh.

Originalmeldung http://www.sueddeutsche.de/t5U38I/106698/Schneller-Brueter-vor-Au.html

vom 16.07.2011 05:10

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Wikipedia: Schnelle Brüter

Schnelle Brüter arbeiten mit Uran-238 als Brutstoff und mit schnellen Neutronen, wie sie bei Kernspaltungen freigesetzt werden. Als Kernbrennstoff dient Uran-Plutonium-Mischoxid (MOX). Die Brutzone enthält Natururan- oder abgereichertes Uranoxid, das überwiegend aus 238U besteht. Der schnelle Brüter ermöglicht es somit, die Vorkommen von Natururan effizienter auszunutzen, benötigt hierzu allerdings den Aufbau einer Plutoniumwirtschaft.

Im Vergleich etwa zu Leichtwasserreaktoren erfordert der Betrieb eines Brutreaktors zusätzliche Sicherheitseinrichtungen. Allgemeine Risiken der Brütertechnik liegen im großtechnischen Umgang mit dem Kühlmittel Natrium, das im Kontakt mit Luft oder Wasser Brände auslösen kann, sowie mit Plutonium, das verglichen mit Uran wesentlich gesundheitsgefährlicher ist. Der beim Uran-Plutonium-Mischoxidbrennstoff kleinere verzögerte Neutronenanteil bedeutet einen kleineren Abstand zwischen den Betriebspunkten „Verzögert kritisch“ und „Prompt kritisch“,

das heisst, er gerät wesentlich leichter außer Kontrolle. Das zeigt auch die Tabelle der weltweiten Versuchsreaktoren auf der Wikipediaseite, die zeigt, dass einige der Reaktoren nach partiellen Kernschmelzen stillgelegt werden mußten.

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