Regenerativen Strom oder Ökostrom? Was wollen wir? Ist das nicht dasselbe?

Längst nicht alle Angebote sind so grün, wie sie scheinen.

Eine gesetzliche Definition, was genau unter Ökostrom zu verstehen ist, existiert bis heute nicht. Längst nicht alle Angebote sind deshalb so grün, wie sie scheinen. Gütesiegel helfen zwar dabei, sich einen Überblick zu verschaffen und Mogelpackungen auszuschließen. Allerdings steckt hinter jedem Label ein anderer Standard.

Was bedeutet regenerative Energie?

Wikipedia beschreibt es so:

Erneuerbare Energien, auch regenerative Energien, sind Energien aus Quellen, die sich entweder kurzfristig von selbst erneuern oder deren Nutzung nicht zur Erschöpfung der Quelle beiträgt. Es sind nachhaltig zur Verfügung stehende Energieressourcen, zu denen insbesondere Wasserkraft, Windenergie, solare Strahlung (Sonnenenergie), Erdwärme (Geothermie) und die durch Gezeiten erzeugte Energie zählen. Eine andere Quelle erneuerbarer Energien ist das energetische Potenzial (Biogas, Bioethanol, Holz u. a.) der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnenen Biomasse.

Die aus Quellen erneuerbarer Energie erzeugten Energieformen (Strom, Wärme, Kraftstoff) werden oft ebenfalls als erneuerbare Energien bezeichnet.

 
Regenerativer Strom ist also z.B. auch jeder Strom aus einem Wasserkraftwerk, das schon Anfang des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde, oder auch Strom aus dem 3 Schluchten Stausee in China, der riesige Landschaftsflächen vernichtet hat, oder auch Strom aus Biogasanlagen, die mit Pflanzen aus großen Monokulturen versorgt werden wobei der Boden geschädigt wird und die Nahrungsmittelproduktion zurückgedrängt wird.

Bleiben wir mal beim deutschen Stromkunden:

Beim Wasserkraftwerk aus dem vorigen Jahrhundert hat der Betreiber gemerkt, dass sich regenerativer Strom besser verkaufen lässt, die Gewinne also steigen. Die Kunden die nicht bereit sind, mehr zu zahlen, kriegen eben den Strom aus den anderen Kraftwerken. Was hat sich dadurch geändert? Der Kunde zahlt mehr, das Unternehmen macht mehr Gewinn. Das war’s.

Teilweise werden ganze Städte auf einen Schlag mit Wasserkraft versorgt, wie zum Beispiel Flensburg mit Wasserkraft aus der Schweiz.

Aber das Kraftwerk war ja vorher auch schon da und hat die Schweizer versorgt. Wo bekommen denn die jetzt ihren Strom her? In diesem konkreten Beispiel aus Deutschland aus Kohlekraftwerken. Und damit man das Geschäft noch ausbauen kann, investiert der Schweizer Energieversorger noch in den Neubau eines Kohlekraftwerks bei Brunsbüttel.

Also eine typische win-win Situation? Ja, aber nur für die beteiligten Konzerne. Die verdienen an diesem Kuhhandel gutes Geld. Der Stromverbraucher ist der Dumme, der zahlt einfach etwas mehr. Und die Umwelt? Die hat gar nichts davon, denn an der gesamten Erzeugungssituation hat sich ja überhaupt nichts verändert. Die Umwelt wird genauso belastet wie vorher und geht damit immer weiter bergab.

 
Also doch Windkraft aus der Nordsee, die ist ja neu?

Jede Art der Energieerzeugung hat auch ihre Schattenseiten. Die Anlagen müssen mehr oder weniger umweltfreundlich gebaut werden, der Betrieb ist mal mehr mal weniger umweltfreundlich. Der Strom muß zum Verbraucher geleitet werden und die Anlagen müssen irgendwann wieder abgerissen werden.

Offshore Anlagen werden mehr Strom liefern können als Anlagen an Land, aber sie sind teurer, aufwändiger in Herstellung und Abriss. Wartung ist bei schlechtem Wetter evtl. nicht möglich, so dass Stillstandszeiten vorkommen können. Außerdem ist in der Nordsee kein Verbraucher, der Strom muß also erst über weite Strecken zum Verbraucher gebracht werden. Es darf deshalb also auf keinen Fall die regionale Stromerzeugung vernachlässigt werden.

Was wollen wir also?

Wir wollen doch, dass unsere Energieversorung sauberer wird und die Umwelt weniger belastet. Also brauchen wir einen Wechsel weg von alten umweltschädlichen Kraftwerken hin zu umweltfreundlicheren Anlagen. Wir müssen also mit unserem Strombezug dafür sorgen, dass die Anbieter ihre Gewinne wieder in den Neubau von umweltfreundlichen Kraftwerken investieren. Und wir müssen sehen, dass so viel wie möglich Strom dort erzeugt wird, wo er auch gebraucht wird, oder dass die Verbraucher (Industrie) dort angesiedelt werden, wo die Energie vorhanden ist.

Es reicht nicht, bei einem beliebigen Anbieter regenerativen Strom oder Ökostrom zu bestellen – je billiger desto lieber – sondern es muß ein Anbieter sein, der den Energiewechsel auch wirklich durch Investitionen aktiv mit unterstützt.

Aber wie erkenne ich den richtigen Anbieter?

Am besten an Gütesiegeln.

Bei einigen Gütesiegeln ist es Voraussetzung, dass ein bestimmter Teil der Einnahmen in den Bau neuer Anlagen wie Wind-, Wasser- oder Bioenergiekraftwerke wieder investiert wird. Beispielhaft ist hier das Gold-Zertifikat des Grüner Strom Label e. V. (GSL), zu dessen Trägern unter anderem der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gehören.

Von allen Ökosiegeln wendet es die strengsten Kriterien an.

Das Zeichen ok-power wird nach ähnlichen Kriterien vergeben.

Beim TÜV-Siegel wird es unübersichtlich, weil es ganz verschiedene gibt. Oft wird damit nur bescheinigt, dass Wasserkraftstrom tatsächlich Wasserkraftstrom ist. Aber was hat sich geändert??? Nichts!! siehe oben

Eine sehr schlechte Aussage liefern sogenannte Ökostromzertifikate (RECS-Zertifikate).

Diese Zertifikate können an der Strombörse gehandelt werden und ermöglichen es einem Versorger, Atom- oder Kohlestrom durch den Zukauf von Zertifikaten als Ökostrom auszuweisen. Die Verkäufer solcher Zertifikate dürfen dann ihren zum Beispiel aus Wasserkraft erzeugten Strom zwar nur noch als konventionellen Strom verkaufen. Durch den Zertifikathandel ist aber nicht gewährleistet, dass nur eine einzige Kilowattstunde reiner Ökostrom zusätzlich produziert wird.

 

PS: Der ökologischste Strom ist der, der gar nicht erst erzeugt werden muß.

Wer sich wirklich damit beschäftigt, findet garantiert Möglichkeiten, Strom zu sparen, ohne auf wesentliches verzichten zu müssen. Das gleiche gilt für den Wärme- und den Verkehrssektor.

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