Die Mär von der Abhängigkeit vom ausländischen Atomstrom

Als kürzlich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) meldete, dass die Stromimporte aus Tschechien im ersten Halbjahr um 673 Prozent gestiegen seien, sorgte das für Schlagzeilen und etliche Kommentatoren kritisierten, dass nach der Stilllegung von Atomkraftwerken in Deutschland nun tschechischer Atomstrom die Lücken füllen müsse.
Einige Tage später musste der BDEW kleinlaut eingestehen, dass er sich verrechnet hatte und es nur eine Steigerung von 15,7 Prozent gibt.
Dieses Dementi war dann aber fast nirgends nachzulesen.
Nun legt das Statistische Bundesamt nach und zeigt, dass Deutschland immer noch deutlich mehr Strom ins Ausland liefert, als von dort eingeführt wird. Die Mär von der Abhängigkeit vom ausländischen Atomstrom ist widerlegt. Zwar wird aus Tschechien und Frankreich mehr Strom in die Bundesrepublik eingeführt, als diesen Ländern geliefert wird. Aber auch dafür gibt es Gründe, die nicht ins Wunschbild der Atomkraftfreunde passen: So ist ein Teil der Importe aus Tschechien Windstrom aus Norddeutschland, der über das polnische und tschechische Netz nach Bayern geliefert wird. Und der Strom aus Frankreich ist teilweise Transitstrom für Italien, der über Deutschland und die Schweiz weitergeleitet wird.

Außerdem boten unsere westlichen und östlichen Nachbarn den Atomstrom zu Dumpingpreisen an, weil durch warme Witterung der Bedarf im eigenen Land stark gesunken war und man die Atomkraftwerke nicht runterfahren wollte. Da nehmen die deutschen Konzerne natürlich lieber das Billigangebot, statt die eigenen Kraftwerke zu betreiben.

Quellen: .ausgestrahlt Pressemeldung  und Bericht
Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Tabelle 7.2 aus der pdf Datei Energieverbrauch in Deutschland Daten für das 1. Halbjahr 2011 vom 1.9.11

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