ASSE Wunderkarten

Wir wundern uns, dass….                            

unter diesem Titel wurden dem Umweltausschuß der Bundestages der am 26.9.2011 die Asse II besuchte (siehe Bericht) in einer Asse-Wundertüte auch einige Wunderkarten überreicht.

Auf diesen Karten haben wir einige Dinge vermerkt, die uns beim Umgang mit dem Asse-Desaster doch sehr wundern.

Die einzelnen Karten enthielten folgenden Inhalt:

Wir wundern uns, dass….

1. … die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unter Tage im Asse II-Schacht arbeiten nicht mit Neutronen-Dosimetern ausgestattet werden.

Warum uns das wundert?

In Asse II gibt es eine fast konstante Tritium-Belastung, die nur durch immer noch stattfindende Freisetzung von Neutronen erklärbar ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen dieser Belastung nicht unkontrolliert ausgesetzt werden.

2. … der zweite Abluftschacht in Morsleben so gebaut wurde, dass die Abluft mitten im Ort direkt gegenüber einem Kindergarten an die Erdoberfläche tritt.

Warum uns das wundert?

Als Referenz für Grenzwerte bei radioaktiver Belastung wird ein europäischer oder nord-amerikanischer Mann mittleren Alters mit intaktem Immunsystem genommen. Für Kinder sagen diese Grenzwerte nichts aus. Das Risiko ist unkalkulierbar.

3. … nach dem Desaster in der Asse die Arbeiten zur Erkundung einer Endlagerung in tiefen geologischen Schichten in Gorleben nicht unverzüglich ausgesetzt wurden.

Warum uns das wundert?

Die Asse zeigt, dass sichere Endlagerung eine Illusion ist. Bekannte Sicherheitsrisiken wurden in der Asse ausgeblendet und werden auch in Gorleben ignoriert – z. B. die Gasblase unter dem Salzstock.

4. … nach dem Desaster in der Asse die Arbeiten zur Planung und/oder Vorbereitung einer Endlagerung in tiefen geologischen Schichten in Schacht Konrad nicht unverzüglich ausgesetzt werden.

Warum uns das wundert?

Die Asse zeigt, dass sichere Endlagerung eine Illusion ist, selbst das Bundesumwelt-ministerium rückt von der Methode „Verbuddeln und Vergessen“ ab. Das muss auch für Konrad gelten.

5. … nach dem Desaster in der Asse die Arbeiten im Atommülllager ERAM in Morsleben, die eine Rückholung faktisch unmöglich machen, fortgesetzt werden.

Warum uns das wundert?

Die geologische Situation in Morsleben ähnelt der der Asse. Auch für Morsleben kann keine Langzeitsicherheit garantiert werden. Rückholbarkeit muss daher auch in Morsleben eine Option sein und bleiben.

6. … offenbar in Braunschweig-Thune in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet ein nukleares Entsorgungszentrum eingerichtet werden soll.

Warum uns das wundert?

Die Genehmigung wurde erteilt, als sich das Betriebsgelände noch auf der „grünen Wiese“ befand. Die Verhältnisse haben sich grundlegend geändert. Die Sicherheit der Anwohner muss an erster Stelle stehen.

7. … in diesem Jahr wieder Castoren nach Gorleben gebracht werden sollen.

Warum uns das wundert?

Der Endlagerstandort Gorleben wird zwischenzeitlich auch von Ministerpräsident Mc Allister abgelehnt. Außerdem sind die Strahlenwerte im dortigen Zwischenlager erhöht. Ein Transport nach Gorleben quer durch die Republik macht unter diesen Bedingungen absolut keinen Sinn.

8. … beim sogenannten Atomausstieg nur über Atomkraftwerke gesprochen wurde und keine Regelungen für andere Atomanlagen, wie z. B. Brennelementefabriken und Urananreicherungsanlagen getroffen wurden.

Warum uns das wundert?

Strahlenrisiken gehen von allen Atomanlagen aus. Daher gehört zu einem Atomausstieg die Stilllegung aller Anlagen. Dieser Schritt wurde noch nicht vollzogen.

9. … trotz des „Atomausstiegs“ in Deutschland ernsthaft über Hermeskredite für den Bau eines Atomkraftwerks in einem erdbebengefährdeten Gebiet in Brasilien diskutiert wird.

Warum uns das wundert?

Die Bundesregierung proklamiert wegen des nicht kalkulierbaren Risikos für Deutschland den Atom- ausstieg. Es ist nicht zu rechtfertigen, dass der Export des Risikos in andere Länder gefördert wird.

10. … das Bundeskanzleramt dem parlamentarischen Unter-suchungsausschuss des niedersächsischen Landtages die Herausgabe von Akten zu Asse II verweigert.

Warum uns das wundert?

Nicht nur der Untersuchungsaus-schuss auch die Bevölkerung hat ein Recht endlich alle Informationen zu erhalten. Das ist nicht nur für die Bergung des Atommülls wichtig, sondern auch um Lehren aus der Vergangenh zu ziehen.

11. … das erhöhte Krebsrisiko – speziell das erhöhte Leukämie-risiko bei Kindern – und die „verlorenen Mädchen“ um atomtechnische Anlagen von der Regierung nicht ernst genommen werden.

Warum uns das wundert?

Die Studien des IPPNW belegen eindeutig einen Zusammenhang, da nutzt es nichts gebetsmühlenartig auf Grenzwerte zu verweisen, die nichts mit dem individuellen Risiko zu tun haben.

12. … es immer noch keine Verpflichtung für Betreiber von Atomanlagen gibt, das mögliche Risiko, das von diesen Anlagen ausgeht zu versichern.

Warum uns das wundert?

Die Betreiber von AKWs sind verpflichtet, ein Risiko bis zu 2,5 Mrd € durch eine Versicherung abzudecken. Das tatsächliche Risiko ist um ein Vielfaches höher. Im Schadensfall müsste der Steuerzahler für die Kosten aufkommen – wie jetzt in Japan.

Wenn Sie auch etwas am Umgang mit der Asse wundert, schreiben Sie doch eine mail an waagwf@gmx.de, dann können wir die Kartenserie auch noch erweitern.

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