Zwischenlager für den Atommüll aus der Asse – objektive Kriterien oder Vorfestlegungen?

Am 9.2.2012 hat das Bundesamt für Strahlenschutz eine Diskussionsgrundlage für den „Kriterienbericht Zwischenlager“ veröffentlicht. Zweifel, ob dieser Kriterienbericht zu einer objektiven Standortsuche für ein Zwischenlager für den aus der Asse geborgenen Atommüll führen kann, sind aus einer Reihe von Gründen mehr als berechtigt.

Es soll verglichen werden, was nicht vergleichbar ist

Nach dem „Kriterienbericht Zwischenlager“ sind folgende Beurteilungsfelder bei der Standortauswahl vorgesehen:

– technische Aspekte
– Einwirkungen von außen
– Genehmigungsaspekte
– Landschaft und Erholung
– Lebensräume, Flora und Fauna
– Ressourcenschonung.

Diese Beurteilungsfelder werden in Bewertungskriterien unterteilt, die zwar unterschiedlich gewichtet aber letztendlich auf gleicher Ebene in die Standortentscheidung einbezogen werden.

Das kann zu absurden Ergebnissen führen. Ein Standort, der mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden ist, kann nach diesem Modell besser geeignet sein, als ein Standort mit geringerer Strahlenbelastung, der aber mit einem stärkeren Eingriff in das Landschaftsbild verbunden ist.

Eine sachgerechte Standortentscheidung kann nur auf der Grundlage eines stufenweise durchzuführenden Verfahrens erfolgen.

Stufe I: Es erklärt sich von selbst, dass es sich um verfügbare oder erwerbbare Standorte handeln muss. Und dass bestimmte Standorte für den Bau eines Zwischenlagers nicht infrage kommen – z. B. Standorte in Waldbrand-, Überschwemmungs-, Erdbeben-, Bergschadens-,  oder Trinkwassereinzugsgebieten. Diese Standorte sind von vornherein auszuschließen.

Stufe II: Ermittlung der radioaktiven Gesamtbelastung für Anwohner und Beschäftigte durch die Errichtung eines Zwischenlagers bei den noch in Frage kommenden Standorte (einschließlich eines etwaigen Transportes dorthin und von dort zum fiktiven Endlager).

Stufe III: Nur für den Fall, dass die niedrigste ermittelte Strahlenbelastung an verschiedenen Standorten  gleich wäre, müsste ein Vergleich anhand weiterer Kriterien vorgenommen werden.

Das BfS nimmt Vorfestlegungen vor

Das Diskussionspapier des BfS weist zusätzlich eine Reihe von Vorfestlegungen aus. Einige Beispiele:

– Bereits der Untertitel enthält eine Vorfestlegung. Er lautet: „Kriterien zur Bewertung potentieller Standorte für ein übertägiges Zwischenlager…“. Warum will das BfS nur übertägig untersuchen. Es gibt bereits ein Zwischenlager, das zwar übertägig zugänglich, aber untertägig angesiedelt ist, da es in einem Tunnel liegt. Hierbei handelt es sich um das Zwischenlager am Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld. Es ist nicht plausibel, dass vergleichbare Lösungen gar nicht in die Überlegungen einbezogen werden.

– Das BfS geht offenbar von einem „hohen und großflächigen Bauwerk“ für das Zwischenlager aus. Diese Aussage ist nicht plausibel. Wer ein Gebäude in der Höhe von drei Stockwerken benötigt, ist nicht gezwungen, alle drei Stockwerke übertägig zu bauen. Wer zwei Kellerstockwerke einplant, braucht nur noch ein überirdisches Stockwerk. Der Einfluss auf das Landschaftsbild wäre völlig anders zu bewerten. Bei einer Tunnellösung würde der Einfluss auf das Landschaftsbild eine äußerst geringere Rolle spielen.

– Das BfS geht ferner davon aus, dass es grundsätzlich drei Varianten für das Endlager gäbe: assenah, nah am Endlagerstandort oder irgendwo in der Bundesrepublik. Für den assenahen Standort nennt das BfS dann auch gleich Vorteile. Gleich zweimal werden Transportvorteile genannt. Dies sind in erster Linie organisatorische Vorteile für den Betreiber, die jedoch für den radiologischen Schutz der Bevölkerung absolut nachrangig sind.

Es ist müßig, sich Gedanken über eine regionale Zuordnung von möglichen Standorten zu machen. Es gilt, den größtmöglichen Schutz für die Bevölkerung zu gewährleisten. Wie dieser Standort regional zugeordnet werden kann, ist bedeutungslos.

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