Kosten der Endlagerung (übernommener Beitrag)

 Zahllose Menschen von maroden Atommüll-Lagern betroffen 

Gerne wird in der anhaltenden Diskussion um den Wiedereinstieg in die Atomkraft vergessen, dass nicht nur die Energiewende Kosten verursacht. Von den Befürwortern der Atomkraft – allen voran die FDP – gibt es bislang keine Antwort auf die Frage der Atommüllentsorgung. Sicher ist nur: Die bisherige und auch zukünftige Jahrzehnte lange Lagerung dieser hochradioaktiven Abfälle kostet schon jetzt und auch in Zukunft Milliarden. Jede weitere Tonne Atommüll wird zusätzliche Kosten verursachen.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert, dass angesichts der ungelösten weltweiten Atommüllentsorgung in Atomkraftwerken und anderen Atomanlagen kein weiterer Atommüll mehr produziert werden darf. „Weltweit sind zahllose Menschen von maroden Atommüll-Lagern, ständigen Unfällen in Atomkraftwerken und Atomfabriken sowie von strahlenden Abraumhalden des Uranabbaus betroffen. Da darf nicht länger über den Weiterbetrieb oder Ausbau der Atomenergienutzung debattiert werden“, so BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Laut Bundesumweltministerium (Stand April 2012) belaufen sich die Kosten der einzelnen Endlagerprojekte und der Endlagerforschung in Deutschland u.a. wie folgt:

Schacht Konrad
Die berechneten Gesamtkosten der Errichtung einschließlich Betrieb des Endlagers Konrad belaufen sich nach derzeitigem Stand auf zirka 3,4 Milliarden Euro. Die darin enthaltenen Kosten der Umrüstung werden auf rund 2,4 Milliarden Euro beziffert und sind zu zirka einem Drittel durch die öffentliche Hand und zu zirka zwei Dritteln durch die Energieversorgungsunternehmen zu finanzieren. (Anmerkung: „Finanzierung durch die öffentliche Hand“ bedeutet, dass diese Kosten von allen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern gezahlt werden, und „Finanzierung durch Energieversorgungsunternehmen“ bedeutet, dass diese Kosten letztlich auf die Stromabnehmer, also Stromkundinnen und –kunden umgelegt werden!)

Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM)
Die Kosten, die für das Endlager Morsleben bis Ende 2011 seit der deutschen Wiedervereinigung entstanden sind, belaufen sich auf zirka 729 Millionen Euro. Die Gesamtprojektkosten werden auf zirka 2,1 Milliarden Euro geschätzt. Für das laufende Haushaltsjahr 2012 sind 50 Millionen Euro veranschlagt.

Salzstock Gorleben
Für das Projekt Gorleben sind von 1977 bis Ende 2009 Kosten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro entstanden. Für das Haushaltsjahr 2012 sind für den Salzstock Gorleben zirka 73 Millionen Euro eingeplant. Die Kosten für dieses Projekt hängen von den nach Aufhebung des Moratoriums eingeleiteten Maßnahmen ab und den Entscheidungen zum Endlagersuchgesetz ab.

Schachtanlage Asse II
Von 1993 bis Ende 2010 wurden insgesamt 447 Millionen Euro für die Asse II verausgabt. Der Mittelansatz für 2012 beträgt 100 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für die Stilllegung der Schachtanlage Asse lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Die Gesamtprojektkosten hängen stark von der letztendlich durchgeführten Schließungsvariante ab.

Endlagerforschung
Sowohl das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) als auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) finanzieren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der Endlagerung. Das BMWi fördert jährlich Vorhaben für zirka 9 Millionen Euro. Die jährlichen Ausgaben in diesem Bereich des BMU betrugen in den Jahren 2003 bis 2011 durchschnittlich 3 Millionen Euro. (Nochmals: „Finanzierung durch Bundesministerien“ bedeutet, dass diese Kosten aus Steueraufkommen, also von den Bürgerinnen und Bürgern bezahlt werden!)

„Wir fordern die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke, keinen Neubau von Reaktoren und den Ausstieg aus dem Endlagerprojekt Gorleben. Wir fordern klare und verlässliche Schritte hin zu einer dezentralen Energiewende statt der „Energiewende-Rückwärts“-Kapriolen der Bundesregierun“, so Dr. Jörg Schmid von der „Aktion Strom ohne Atom“.

„Wenn Peter Altmaier wirklich Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit sein will, dann muss er einiges anders machen als sein Vorgänger Norbert Röttgen. Will er die Umwelt effektiv schützen, dann muss er dafür sorgen, dass das Endlagerprojekt im maroden Salzstock von Gorleben beendet wird, dass der Atommüll aus dem absaufenden Bergwerk Asse zügig herausgeholt wird und dass nicht weiter tagtäglich radioaktive Abfälle in den Atomkraftwerken entstehen“, erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“.

Man erwarte von Altmaier, dass er die Konsequenzen aus Fukushima auch für die neun noch laufenden Reaktoren in Deutschland zieht. „Kein Atomkraftwerk ist gegen Flugzeugabstürze gesichert, einige haben Probleme in Sachen Erdbeben und Hochwasser. In Japan wurden die Kraftwerke inzwischen alle heruntergefahren, weil keines wirklich sicher ist. Genauso sollte auch Altmaier vorgehen“, so Stay weiter.

Die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ fordert den neuen Umweltminister auf dafür zu sorgen, dass die Betreiber von Atomkraftwerken eine Haftpflichtversicherung mit voller Deckung von möglichen Schäden eines Super-GAU abschließen müssen. Er sollte die Rückstellungen für die Atommüll-Entsorgung in einen öffentlich-rechtlichen Fonds überführen, damit sie von den Stromkonzernen nicht mehr für spekulative Geschäfte riskiert werden können.

Japan ist innerhalb von 14 Monaten aus der Atomkraft ausgestiegen. 54 Reaktoren waren Anfang 2011 am Netz. Mittlerweile ist der letzte heruntergefahren. Die japanische Gesellschaft, der Alltag der Menschen und die Produktion der Industrie, all das funktioniert weiter. Möglicherweise muss im kommenden Sommer die eine oder andere Klimaanlage aus bleiben. Aber dazu sind viele Menschen in Japan bereit, wenn ihnen stattdessen die Risiken der Atomenergienutzung erspart bleiben. In Deutschland gibt es unter den Freunden der Atomkraft schon einen Aufschrei, wenn nur acht von 17 AKW stillgelegt werden. Doch das japanische Vorbild zeigt, dass wir auch auf die noch laufenden neun Reaktoren von heute auf morgen verzichten könnten.

Weitere Informationen über die Gefahren der Atomenergie gibt es im Internet u. a. auf folgenden Internetseiten: www.endlich-abschalten.dewww.ausgestrahlt.dewww.bbmn.de;www.robinwood.dewww.bbu-online.de.

Zur Verantwortlichkeit für Endlagereinrichtung und -betrieb sowie Finanzierungsregelungen siehehttp://www.bmu.de/atomenergie_ver_und_entsorgung/endlagerung_/allgemeines/doc/2738.phphp

Der BBU ist der Dachverband zahlreicher Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Einzelmitglieder. Er wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn.

„.ausgestrahlt“ ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die  AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen Protest zu machen.

Quelle: Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), .ausgestrahlt, Aktion Strom ohne Atom, BMU

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