Panorama-Berichterstattung: Alle halbe Jahre wieder – oder: keine neuen Erkenntnisse in der Sache – andere Erkenntnisse und Bestätigungen durchaus

Ein Kommentar

Panorama hat ein Memorandum, das im Dezember des vergangenen Jahres bereits Thema war, medial recycelt. Zu neuen Erkenntnisse in der Sache hat das Interview mit einem Mitverfasser nicht geführt.

Dass die Bergung schwierig ist, ist ebenso keine Neuigkeit, wie die Tatsache, dass die Bergung „mannlos“ erfolgen muss.

Es ist auch nicht neu, dass nur die halbe Wahrheit gesagt wird, indem die radiologische Belastung der Beschäftigten in die Diskussion gebracht wird, die langfristige radiologische Belastung zukünftiger Generationen aber ausgeblendet wird.

Dass sich hinter einer halben Wahrheit immer eine Lüge verbirgt, ist auch eine Alltagsweisheit.

Auch die Überlegung, dass es Kräfte geben könnte, die „auf Zeit spielen“, um irgendwann feststellen zu können: „Wir haben alles versucht, aber die Bergung des Atommülls lässt sich nicht realisieren“ ist nicht neu.

Aber es gibt durchaus neue Erkenntnisse

Es war schon längst zu erwarten, dass die Kräfte, die die Bergung des Atommülls ablehnen, wieder verstärkt in die öffentliche Diskussion eintreten.

Auffällig ist bestenfalls, dass es so lange gedauert hat.

Auffällig ist auch, dass dafür eine alte Vorlage und deren Verfasser „recycelt“ werden.

Auffällig ist, das der „Kronzeuge“, der jetzt die Risiken beschreibt, derjenige ist, dessen Aufgabe es gewesen wäre, Antworten zur Bewältigung der Risiken zu finden.

Auffällig ist weiterhin, dass das politisch-mediale Recycling unmittelbar nach Abschluss der Bürgerinitiativenkampagne „Pumpen statt fluten“ erfolgte.  Offenbar musste dieser Aktion und ihrer Resonanz in der Bevölkerung etwas entgegengesetzt werden. Dabei scheint eine neue mediale Aufbereitung (ein Schuss „ehemaliger BfS-Mitarbeiter packt aus“ kombiniert mit „keiner traut sich, die Wahrheit zu sagen, obwohl es alle wissen“ und fertig ist die Verschwörungstheorie) scheint wichtiger gewesen zu sein, als neue Erkenntnisse zu liefern.

Darf nichts herauskommen, weil sonst etwas herauskommen könnte?

Allen an der Diskussion Beteiligten ist klar,

  • dass die Bergung des Atommülls aus der Asse kein Sonntagsspaziergang ist,
  • dass die Bergung des Atommülls aus der Asse mit radiologischen Risiken in der Gegenwart verbunden ist,
  • dass es enormer Anstrengungen auf der technischen Ebene bedarf, um die Gerätschaften zur mannlosen Bergung zu entwickeln,
  • dass die Sicherstellung des Strahlenschutzes für die Beschäftigten und die Anwohner eine große Herausforderung ist
  • dass die Diskussion geführt werden muss, wo der geborgene Müll unter Berücksichtigung aller Kriterien der Minimierung der Strahlenauswirkungen (langzeit)zwischengelagert werden kann.

Die Diskussionen und Entscheidungen in diesen Fragen sind zwingend notwendig und eminent wichtig. Sie sind aber auch in aller Offenheit und ohne Vorfestlegungen zu führen. Diesem Anspruch wird der aktuelle Betreiber nicht gerecht.

Aber diese „technische“ Ebene ist nicht die einzige Ebene, auf der diskutiert werden muss.

Zumindest zwei weitere Ebenen sind zu diskutieren:

Das Atommüllproblem in der Asse ist das Problem unserer Generation (und für viele der heute lebenden Menschen schon ein geerbtes Problem). Wir stehen heute vor der ethischen Frage, ob wir versuchen wollen, dieses Problem wieder unter Kontrolle zu bekommen. Wenn wir das nicht versuchen, entziehen wir uns unserer Verantwortung und überlassen die weitere Entwicklung der Geologie.

Es ist mittlerweile unstrittig, dass in der Asse eingelagerte Stoffe falsch deklariert wurden. Mit einer Flutung wird es nicht nur unmöglich gemacht, dass Ausmaß dieser Betrüge zu ermitteln und transparent zu machen.

Der Staat hat in den 1970er Jahren keine wirksamen Mechanismen vorgehalten, um Betrüge zu verhindern. Der Staat 2012 stände daher in der Pflicht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.  Das entspräche dem Ideal eines „lernenden demokratischen Staates“.

Das krasse Gegenteil ist der Versuch, für die Asse einen sogenannten  Langzeitsicherheitsnachweis für die Flutung zu errechnen. Dieser würde der Devise folgen: „Ich weiß nicht, was in der Asse drin ist, aber ich weise nach, dass die Flutung sicher ist“.

Die Antwort lautet frei nach William Shakespeare: „Größenwahn oder Realitätsverlust – das ist hier die Frage“.

Wolfgang Bischoff

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