Standort-Politik 2 – Standort für ein Zwischenlager für den Atommüll aus dem Asseschacht

Wenn man den Titel des Bundesamtes wörtlich nimmt, ist sein „Kerngeschäft“ Schutz vor Strahlung jeglicher Art. In diesem Kontext „Schutz vor ionisierender Strahlung“ und dort wo kein vollständiger Schutz möglich ist, Minimierung der Strahlung.

Bei der Bergung des Atommülls aus der Asse werden – so die vereinfachte Prozess-darstellung des BfS auf der Informationsveranstaltung in Wolfenbüttel – folgende Schritte erfolgen:

– Bergung des Atommülls über den Schacht
– Aufbewahrung des Atommülls in einem ersten Pufferlage vor der
– Konditionierung des Atommülls
– Zwischenlagerung des Atommülls
– Transport in ein Endlager.

Alternativ dazu wird angedeutet, das folgende Modell in den Raum gestellt

– Bergung des Atommülls über den Schacht
– Aufbewahrung des Atommülls in einem ersten Pufferlage vor der
– Konditionierung des Atommülls
– Transport in ein Zwischenlager
– Zwischenlagerung des Atommülls
– Transport in ein Endlager.

Das BfS argumentiert, dass es dazu verpflichtet sei, eine Minimierung von Strahlenbelastung zu betreiben und der Transport in ein entferntes Zwischenlager stelle eine zusätzliche Strahlenbelastung dar.

(Randbemerkung um die Irrationalität des Bfs zu verdeutlichen: Castortransporte von Sellafield vom Eingangshafen irgendwo an der Nordsee nach Gorleben  sind unzulässig. Das BfS müßte Zwischenlager in Nähe der Hafenstädte planen.)

Nach dem bisherigen Stand der lokalen Diskussion erscheint es so, dass aktzeptiert wird, dass die Konditionierung vor Ort passiert.

Der Transport vom Zwischenlager (wo auch immer es sein könnte) in ein Endlager ist eine „unbekannte Größe“. Daher kann dieser Faktor kann daher nicht betrachtet werden.

Das bedeutet, dass sich die Diskussion auf die einfache Frage reduzier, ob ein ein Zwischenlager an der Asse oder ein Zwischenlager an einem anderen Ort plus Transport dorthin, die geringer Strahlenbelastung für die Bevölkerung bedeutet.

Kerngeschäft

Aber diesen Vergleich zieht das BfS erst gar nicht.

Die Bedeutung eines solchen Vergleichs kann man an einem fiktiven Beispiel verdeutlichen:

assenahes Zwischenlager Zwischenlager an Standort X
Bergung 10 10
Konditionierung 1000 1000
Transport in Zwischenlager 0 50
Zwischenlager 100 30
1110 1080

(Anm. Die angegeben Werte stellen keine konkreten Strahlenwerte sondern lediglich Gewichtungsfaktoren dar.)

In dieser Konstellation wäre ein Zwischenlager am Standort X vorzuziehen.

Baukastensystem oder ernsthaftes Prüfen von Alternativen
.
Bei der Frage der Vergleichbarkeit ist daher von zentraler Bedeutung, wie ein Zwischenlager errichtet wird.

Es verbietet sich, vorhandene Zwischenlager in einem Baukastensystem 1:1 zu übernehmen und von gleicher Belastung durch radiologische Strahlung an jedem möglichen Zwischenlagerstandort auszugehen.

Schon bei Zwischenlagersstandorten werden gravierende Unterschiede deutlich. In Neckarwestheim sind andere Verhältnisse als in Obrigheim und dort sind wiederum anders als in Grohnde.

In Neckarwestheim ist ein Teil des Zwischenlagers „untypisch“ in einem Tunnel untergebracht. In Obrigheim ist das Zwischenlager zwar in einem eigenen Gebäude untergebracht. Dieses Gebäude ist aber nicht vom Reaktorgebäude getrennt. In der Folge werden unterschiedliche Auswirkungen von diesen Zwischenlagern ausgehen.

Das BfS steht in der Pflicht vor weiteren Zwischenlagerentscheidungen diese unterschiedlichen Auswirkungen zu analysieren und zwar nicht nur auf der Basis von Einhaltung von Grenzwerten, sondern auch unter Auswertung von „nur“ statistisch zu bewertenden Faktoren wie Häufung von Krebs- und Leukämieerkrankungen oder dem Phänomen der verlorenen Mädchen.

Diesen Fragen stellt sich das BfS bisher nicht.

Wo kann nach Alternativen gesucht werden?

Die Diskussion läuft immer sehr schnell darauf hinaus, alternative Standorte zu benennen. Diese Diskussion wird immer ins Leere laufen, weil es zur Zeit gar nicht um Orte gehen kann, sondern nur um Eigenschaften von Orten.

In der Folge sollen grundsätzliche Möglichkeiten dargestellt werden, an welchen Standortvarianten eine Prüfung aufgrund von vorteilhaften Bedingungen denkbar wäre:

Variante 1 – Tunnellösungen

Es gibt – wie bereits erwähnt – ein existierendes Tunnelmodell für ein Zwischenlager. Wenn Tunnellösungen Vorteile für Zwischenlager bieten, muss man – auch dann unter Berücksichtigung von Transportwegen – prüfen, wo ein Tunnelmodell realisiert werden könnte.

Variante 2 – Ehemalige Truppenübungsplätze

Truppenübungsplätze sind in der Regel großflächig, von Besiedlung entfernt und bringen auch die Grundvoraussetzungen für die Abschottung gegen Einflüsse von außen mit.

Variante 3 – Ehemalige Atombunker

Aus der Zeit des „kalten Krieges“ gibt es in der ehemaligen BRD und in der ehemaligen DDR sogenannte atomsichere Bunker, in die keine ionisierende Strahlung eindringen sollte. Es ist davon auszugehen, dass auch aus diesen Anlagen keine ionisierende Strahlung nach außen dringt, zumal die ionisierende Strahlung einer Atombombe mit der Strahlung des Assemülls nicht vergleichbar wäre.

Diese drei Varianten stehen als Beispiele. Sie haben gemeinsam, dass sie zumindest auf den ersten Blick unterschiedliche Vorteile gegenüber einem assenahen  Zwischenlager hätten, die gegen das Risiko zusätzlicher Transporte abzuwägen ist.

Doch selbst bei einer rein oberirdischen Lösung denkt das BfS offenbar in der „Kartoffelscheunen-Logik“. Man kann eine Halle in der Höhe von zwei oder drei Etagen in die Höhe bauen. Man kann aber zwei oder drei Kellergeschosse bauen und gewinnt damit zumindest an fünf Seiten „geologischen Schutz“.

Dies sind nur einige Beispiele, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Die Kritik

Das BfS setzt einseitig auf eine assenahe Variante und hebt dabei besonders hervor, dass Transporte dann nicht über öffentliche Straßen erfolgen müssten. Man lässt sich sogar dazu hinreißen, allein den Verzicht auf einen Transport als Strahlenminimierung zu bezeichnen.

Bei einem räumlich entfernen Zwischenlager müsse zudem das Pufferlager größer ausgelegt werden.

Die Möglichkeit, dass sich eine entfernte Variante eine in der Gesamtbetrachtung als strahlenminimiert darstellen könnte, wird vom BfS erst gar nicht in Betracht bezogen.

Wenn man es als Kernaufgabe des BfS versteht, nach Wegen zu suchen, Belastungen durch ionisierende Strahlung zu minimieren, kommt sie genau dieser Aufgabe an der Asse nur unzureichend nach.

Auch dies deutet darauf hin, dass Standortentscheidung für ein Zwischenlager nicht auf einer sachlich fundierten getroffen werden sollen. Es wird darum gehen, für welchen Standort der geringste politische Preis gezahlt werden muss.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Standort-Politik 2 – Standort für ein Zwischenlager für den Atommüll aus dem Asseschacht

  1. Pingback: Zwischenlagerung des Mülls aus Asse II nach der Rückholung | WAAG – Wolfenbütteler AtomAusstiegsGruppe

Kommentare sind geschlossen.