Haftpflichtversicherung für AKW’s – Hört sich gut an, aber was steckt dahinter?

EU-Kommissar Oettinger fordert eine einheitliche Pflichtversicherung für Atomkraftwerke einzuführen. Bislang müssen die Unternehmen ihre Anlagen für die Folgen von Atomunfällen nur zu geringen Summen versichern.
In Frankreich beträgt die Versicherungssumme dem Bericht zufolge 100 Millionen Euro, eine ähnliche Summe, zu der auch viele Pkw haftpflichtversichert sind. (Aber  Atomkraftwerke sind ja auch sicher – oder?)

Laut Atomgesetz müssen die Betreiber in Deutschland eine Deckungsvorsorge von 2,5 Mrd. Euro bereithalten. Davon trägt der Kölner Atompool Deutsche Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft, der 32 private Gesellschaften umfasst, 256 Mio. Euro pro Kraftwerksblock (also immerhin soviel wie 2 1/2 gefährliche PKW). Die vier AKW-Betreiber haben in einem komplexen Vertrag festgeschrieben, dass sie gemeinsam die Differenz zu den 2,5 Mrd. Euro tragen, also 2,24 Mrd. Euro. Darüber hinaus haftet jeder Betreiber unbegrenzt – das heißt, faktisch bis zur Obergrenze seines Vermögens.
Aber das wäre nie ausreichend, da die Schäden in die Billionen gehen können. Außerdem zeigt Japan ja, was so ein Unternehmen noch Wert ist, wenn ein Schadensfall erst mal eingetreten ist.

Die Haftpflichtprämien wären enorm hoch, würden auf den Strompreis aufgeschlagen werden, und nur einen begrenzten Versicherungsschutz bieten können. Den Rest zahlt auch wieder der Steuerzahler
Bisher gibt es niemand, der ausreichend in so eine Versicherung eingezahlt hat, aber Auszahlung kann schon Morgen sein. Also werden Versicherer Bürgschaften fordern, beim Bund, also beim Steuerzahler.

Die eingesparten Prämien für eine ausreichende Versicherung machen Atomstrom künstlich billiger und verzerren den Vergleich mit den angeblich teuren regenerativen Energien. Diese längst überfällige Forderung – bis heute ist kein Kernkraftwerk in Europa oder weltweit adäquat gegen Schäden versichert – dürfte dann auch den wahren Kostenvergleich zwischen Kernkraft und Erneuerbaren aufdecken, geht eine erste Studie doch bei der Versicherung von Kernkraft von 50 Cent pro Kilowattstunde aus, circa das Zehnfache der EEG-Umlage 2013!

Bei den Energieversorgern dürften Oettingers Pläne dagegen kaum auf Gegenliebe stoßen. Schließlich ist der Istzustand äußerst angenehm für sie.

Wie auch immer, zahlen tut’s der Verbraucher: über den Strompreis, über die Steuern und mit seiner Gesundheit.

Bei Versicherungsfragen geht es immer um Werte, die durch Geld zu ersetzen sind.

Ich möchte meine Gesundheit aber nicht nur versichert haben, ich möchte sie behalten!

Also: AKW’s abschalten, es geht auch schneller, wenn man nur will.

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