Anforderungen an Zwischenlager für Müll aus Asse II

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig hat am 19.6.2013 die Betriebsgenehmigung für das Standort-Zwischenlager am Atomkraftwerk in Brunsbüttel aufgehoben. Das Bundesamt für Strahlenschutz habe als Genehmigungsbehörde bei der Erteilung der Betriebsgenehmigung nicht ausreichend ermittelt,

  • welche Auswirkungen ein gezielter Absturz eines Airbusses A 380  habe

  • welche Auswirkungen ein Angriff mit panzerbrechenden Waffen habe

  • dass das Eindringen von „entschlossenen Tätern“ bis zur Nachrüstung des Zwischenlagers durch vorübergehende Maßnahmen unmöglich sei.

Das OVG führt zu den panzerbrechenden Waffen aus, dass ein möglicher Angriff mit dem Waffentyp aus dem Jahr 1992 betrachtet wurde. Neuere Waffen hätten eine höhere Zerstörungskraft und könnten schneller nacheinander abgefeuert werden.

Die Betriebsdauer von Zwischenlagern wird mit 40 Jahren angesetzt. Es ist daher offensichtlich, dass die Risiken durch größere und/oder schnellere Flugzeuge oder weiterentwickelte Waffentechnik  während dieser Zeit tendenziell steigen werden.

Oberirdische Zwischenlagerhallen müssten bei veränderten Risikolagen wahrscheinlich mehrfach nachgerüstet werden.

Für den radioaktiven und chemotoxischen Müll, der aus der Schachtanlage Asse II  geborgen werden soll, setzt das Bundesamt für Strahlenschutz auf eine oberirdische Zwischenlagerhalle – verbunden mit den genannten Risiken.

Alle vom Oberverwaltungsgericht Schleswig genannten Risiken könnten aus unserer Sicht) erheblich verringert werden, wenn andere Zwischenlagermodelle gewählt werden. Eine Zwischenlagerung in ehemaligen Bunkern oder in Tunneln würden die direkte Angreifbarkeit durch gezielte Flugzeugabstürze oder den Einsatz von panzerbrechenden Waffen nahezu unmöglich machen. Auch das Eindringen von „entschlossenen Tätern“ könnte wirkungsvoller verhindert werden, da nur Ein- oder Ausgänge zugänglich wären. Ehemalige Militärbunker mussten genau diese Anforderungen erfüllen.

Die Einlagerung in Bunkern oder Tunneln würde durch die zusätzliche Abschirmung durch Gestein zu einer geringeren Strahlenbelastung der Bevölkerung führen, und dem Minimierungsgebot für die Freisetzung von ionisierender Strahlung Rechnung tragen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz bevorzugt bisher einen assenahen Standort für das Zwischenlager, weil dadurch Transporte entfallen würden.

In diesem Plan werden die Sicherheitsrisiken vernachlässigt, die vom Oberverwaltungsgericht Schleswig angesprochen wurden. Um die Belastung der Bevölkerung durch ionisierende Strahlung möglichst gering zu halten, wie gesetzlich gefordert, genügt es nicht, nur den Transportweg als einzige gefährdende Variable in die Waagschale zu werfen. Erst wenn die Standzeit (im wahrsten Sinne des Wortes) der Abfallcontainer und die Abschirmung des Zwischenlagers bekannt sind, können die Belastungen gegeneinander aufgerechnet werden.

Die WAAG fordert, alle Aspekte einer Bunker- oder Tunnellösung für die Zwischenlagerung des geborgenen radioaktiven und chemotoxischen Mülls aus der Schachtanlage Asse II – auch im direkten Vergleich zu einer Zwischenlagerhalle – zu untersuchen, und zu ermitteln, wo geeignete Anlagen vorhanden sind.

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