Zwischenlager für den Asse-Müll – bei der Sicherheit keine Kompromisse

UmleitungWieder einmal wird die Frage nach einem Standort für ein Zwischenlager durch die Region getrieben. Der Abwickler der Schachtanlage Asse II, das Bundesamt für Strahlenschutz, macht einen Vorschlag für einen Kriterienkatalog für die Standortauswahl, sagt aber gleichzeitig, dass es vorrangig assenah prüfen will, ob ein relativ geeigneter Standort zu finden ist.

Den Vorrang einer asse-nahen Suche begründet das BfS einerseits damit, dass Genehmigungen entfallen würden, wenn es keine Transporte außerhalb eines erweiterten Geländes der Schachtanlage Asse II gebe. Diese Aussage stimmt. Ein assenahes Zwischenlager würde in diesem Sinne zu einer Arbeitserleichterung für das BfS führen. Wenn das BfS aber erklärt, dass eine Tatsache die 2013 bekannt ist und die nach heutigen Planungsstand frühestens 2033 umzusetzen ist, zu Verzögerungen bei der Rückholung führen würde, stellt es seine eigene Planungskompetenz nicht nur infrage, sondern stellt unter Beweis, dass es offenbar nicht dazu in der Lage ist, langfristige Prozesse planerisch zu bewältigen. 

Das BfS argumentiert weiter, dass durch ein assenahes Zwischenlager dem Gebot der Strahlenminimierung Rechnung getragen würde, weil keine – so das erste Argument – zusätzlichen radiologischen Belastungen durch den Transport entstehen würden. Zur zweifelhaften Logik dieser Argumentation haben wir uns schon mehrfach auf diesem Blog geäußert.

Das zweite Argument zur Strahlenminimierung lautet, dass durch ein Zwischenlager auch die Menschen, die in einem „nicht-asse-nahen“ Zwischenlager arbeiten oder dort wohnen,  jetzt radiologisch belastet würden. Da der Atommüll erneut „angefasst“ würde, erfordere dies eine neue Rechtfertigung. Sie würde entfallen, wenn das Zwischenlager asse-nah errichtet würde.

Der Zynismus, der in dieser Aussage liegt, wird deutlich, wenn man sich die Auswirkungen für die Beschäftigten an der Schachtanlage Asse II ausmalt. Diese sind durch radiologische Belastungen während der Bergung und durch die Neukonditionierung der Abfälle schon hoch belastet. Auch von einem Zwischenlager gehen Belastungen aus. Wer auf ein assenahes Zwischenlager setzt, weil er keine Personen an anderen Orten radiologisch belasten will, sagt gleichzeitig, dass er den Menschen, die die radiologischen Lasten der Bergung tragen auch die zusätzlichen radiologischen Lasten der Zwischenlagerung aufbürden will – und das sind in aller erster Linie die Menschen, die im Asse-Schacht und auf der Schachtanlage Asse II arbeiten.

Auch die Möglichkeit, dass die radiologische Belastung von Anwohnern minimiert werden könnte, wenn ein Zwischenlager möglichst von einer Wohnbebauung eingerichtet würde, wird nicht in Betracht gezogen.

Wer darauf setzt, dass ein Zwischenlager möglichst auf dem (ggf. erweiterten) Gelände der Schachtanlage Asse II setzt, weil dadurch Genehmigungsverfahren und damit auch Sicherheitsüberprüfungen entfallen, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er/sie höhere Belastungen der Beschäftigten in Kauf nehmen will um die eigenen Planungsarbeiten zu erleichtern.

Die stellvertretende Präsidentin des BfS führte auf der Sitzung der Asse 2-Begleitgruppe aus, man sehe ja an der Auseinandersetzung um die Aufnahme der Castoren, wie schwierig es sei, einen Standort für Atommüll zu finden. Das macht deutlich, dass hinter dem favorisierten „asse-nahen Standort“ auch eine politische Absicht steckt und für das BfS nicht (nur) die radiologischen Auswirkungen den Ausschlag geben.

Das Zwischenlager für den Atommüll aus der Asse wird bei einem Betriebsbeginn irgendwann in den 30er-Jahren und eine Genehmigungsdauer von mindetens 40 Jahren für viele von uns – auf unsere Lebenszeit betrachtet – ein Endlager sein.

Nur eine ganzheitliche Risikobewertung und konsequente Risikominimierung wird dieser Tatsache gerecht. Genehmigungstechnische Überlegungen sind hierbei völlig fehl am Platze.

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