Zwischenlagerstandort: Suche des BfS hart an der Logik vorbei

„Das Bundesamt für Strahlenschutz hat von Politik und Verwaltung den Auftrag erhalten, den strahlenden Müll und kontaminierte Materialien aus der gefährdeten Grube Asse 2 zu bergen und fachgerecht, nach Regeln des Atomgesetzes, zu lagern.

Die Planungsskizze der Rückholung sieht vor, das die geborgenen Materialien am Standort untersucht und gegebenenfalls umgepackt – neukonditioniert – werden, um dann in ein Zwischenlager verbracht zu werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz geht von drei Alternativen für den Standort eines Zwischenlagers aus: standortnah, in der Nähe eines Endlagers, überregional. Warum „überregional“ als extra Punkt geführt wird, mag die geneigte Leserin für sich entscheiden. Geht es nur darum, eine Scheindebatte anzuzetteln, die die Bevölkerung gegen – aus Sicht des BfS – unnötige Umweltbelastung aufzubringen? Denn wer von uns hat denn schon gern eine Deponie mit radioaktivem Müll auf der eigenen Gemarkung? Aus der Kategorie „überregional“ lässt sich – außer der örtlichen Betroffenheit – kein Sachargument für oder gegen die Errichtung eines Zwischenlagers gewinnen.

Unter der Annahme, dass ein Zwischenlager unumgänglich ist, sollte die Suche nach einem geeigneten Standort zuerst unter Anwendung der „Ausschlusskriterien“ geschehen. Für das Gebiet der Asse treffen mindestens drei der fünf vom BfS formulierten „K.o.-Kriterien“ zu – insofern dürfte „die Asse“ gar nicht mehr in Betracht für ein Zwischenlager gezogen werden. Erstens: Der Untergrund in der Asse ist nicht geeignet, davon zeugen die vielen Erdfälle im Gebiet. Nachzulesen auf nibis.de. Zweitens ist die Wasserführung im Gelände fern von geklärt, treten doch seltsame Solequellen auf und bricht Wasser durch unbekannte Wegsamkeiten in die Grube. Dass der Asse-Höhenzug drittens Teil der Flora-Fauna-Habitate ist, stelle ich noch vor – viertens – die Regelungen der Bebauungspläne. Das Wort „Ausschlusskriterium“ bedeutet, dass wenn der geprüfte Sachverhalt zutrifft, das Objekt von vorneweg nicht mehr in die weitere Suche einbezogen wird. Das Bundesamt für Strahlenschutz jedoch hat zwar fünf Kriterien als „Ausschlusskriterien“ benannt, sieht aber vor, dass ALLE 19 Kriterien „verbal-argumentativ“ gewichtet werden und keines davon für das BfS so schwer wiegt, dass – entgegen der Benennung! – kein Standort schon im Vorfeld als „ungeeignet“ qualifiziert wird. Dieser rhetorische Kunstgriff wurde bisher noch von niemandem problematisiert, auch nicht von den Gremien des Beteiligungsprozesses.

Dass aber, – und das schlägt dem Fass den Boden aus,  welche Metapher! – die Strahlenschutzverordnung dafür herhalten muss, den Verwaltungsaufwand für Transportgenehmigungen gegen die real existierende Strahlung im betroffenen Gebiet abzuwägen, das ist schon dreist. Das Argument, dass die Strahlung für die Beschäftigten in einem Zwischenlager, das aus den vorigen Einrichtungen hervorgeht, geringer sei, lässt Anwohner nichts Gutes ahnen. Denn nur, wenn die Beschäftigten vom Zwischenlager abgezogen werden, trägt das Argument des „Nicht-Transports“. Wenn der Müll schon nicht unterirdisch absäuft, dann soll er überirdisch einfach so verrotten? “

RE-WI

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