Energieerzeugungswende oder Energieverbrauchswende?

Der Begriff „Energiewende“ wird häufig ausschließlich technisch verstanden und wird damit auf eine „Energieerzeugungswende“ reduziert.

In der Industrie wird Atomstrom durch Kohlestrom ersetzt. Die Tatsache, dass Kohlekraftwerke auch eine potentielle akute Gesundheitsgefährdung erzeugen und mittel- und langfristig betrachtet zur Erhitzung der Erdatmosphäre, zum Ansteigen der Meeresspiegel und damit zur Überflutung von bevölkerten Gebieten beitragen, wird mit der Begründung der Sicherung des Industriestandortes „legitimiert“.

Der ökologisch bewußte Mitbürger ersetzt Atom- und Kohlestrom durch „grünen“ Strom. Wer es sich leisten kann, zieht die Anschaffung eines Hybrid- oder Elektroautos in Betracht oder isoliert sein Eigenheim und spart damit nicht nur Heiz-Energie sondern auch Heiz-Kosten und erzeugt nebenbei auch „gutes Gewissen“.  Wenn man sich für die Einsparung durch einen zusätzlichen Urlaub „belohnt“, erzeugt man andere Umweltbelastungen – durch Spritverbrauch oder durch einen Flug zum Urlaubsort oder man fährt – wie der Verfasser am vergangenen Wochenende während der „Kulturellen Landpartie“ – kreuz-und-quer  durch das Wendland.

Die „Wissenschaftlichen Dienste“ des Deutschen Bundestages haben diesen Widerspruch beeindruckend deutlich gemacht:

Obwohl der Verbrauch von Heizenergie zwischen 1995 und 2005 durch effizientere Heizungen und Gebäudedämmung je Quadratmeter Wohnfläche in Deutschland um 9 % verringert wurde, wuchs der gesamte Heizenergieverbrauch um 2,8 %, weil sich im Gegenzug gleichzeitig die genutzte Wohnfläche um 13 % vergrößerte. Obwohl die Motortechnologie in den letzten 60 Jahren  viel effizienter wurde, verbraucht ein VW Beetle von 2005 mit 7,1l/100 km (mit nunmehr 75 PS und 1200 kg Gewicht) nahezu genauso viel wie der VW Käfer von 1955 mit 7,5l (mit noch 30 PS und 730 kg). Und obwohl ein Hybrid-Auto als umweltfreundliches Produkt angeschafft wurde, fuhren japanische Käufer nach dem einjährigen Besitz des Autos insgesamt 1,6 mal mehr Kilometer
pro Jahr als noch zuvor.

Energiewende ist keine Frage der Ernergieerzeugung sondern eine Frage der Energienutzung.

 

 

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kohle, Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.