Zwischenlager: Kritik am Vergleichsverfahren des BfS (Teil 1)

Das vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)vorgesehene Verfahren zum Vergleich eines assenahen Standorts mit „fiktiven“ anderen Standorten wird von der WAAG scharf kritisiert.  Wir werden die Kritikpunkte in mehreren Artikeln darstellen.

Teil 1: Untertägige Variante in  den Vergleich einbeziehen

 

Das BfS will den Vergleich auf übertätige Zwischenlager begrenzen. Die Möglichkeit einer Zwischenlagerung in oberflächennahen untertägigen Anlagen (z. B. ehemalige Bunkeranlagen) wird nicht in Betracht bezogen. Eine untertägige Lagerung würde einige Vorteile mit sich bringen.

Die geologische Barriere würde die Strahlung an der Erdoberfläche vermindern.

Die Möglichkeit der Eingriffe von außen würde reduziert. Das OVG Schleswig hat in seinem Urteil zum Zwischenlager in Brunsbüttel deutlich gemacht, dass ein Schutz z. B. gegen panzerbrechende Waffen nicht gewährleistet sei. Am Zwischenlager in Grundremmingen wurde vor wenigen Monaten mit dem Bau einer Schutzmauer von 10 m Höhe und 85 Zentimeter Dicke begonnen, um den Schutz zu erhöhen.

Nun mag man anführen, dass im Zwischenlager in Grundremmingen hochradioaktiver Müll eingelagert sei, da Atommüll aus der Schachtanlage Asse II aber nur schwach- und mittelaktiv sei. Doch ist Sichtweise ist falsch.

Bei der Einlagerung in der Schachtanlage wurde bestensfalls an der Oberfläche der Gebinde (Fässer etc.) gemessen. Durch die Dicke der Betonummantelung konnten die Strahlungswerte nach unten gedrückt werden, sie sagten jedoch nichts über den konkreten Inhalt der Fässer aus. Der Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtages hat Falschdeklarationen in Hülle und Fülle festgestellt.

Für Falschdeklarationen spricht auch auch das noch immer ungeklärte, bestenfalls durch Vermutungen begründete überhöhte Tritiumvorkommen in der Schachtanlage. Eine Vermutung sieht die Ursache darin, dass nicht nur sogenannte Moderatorenkugeln aus dem Forschungsreaktor in Jülich in der Schachtanlage Asse II eingelagert worden sind.

Diese spezielle Art von Atommüll stellt ein besonders Risiko dar. Es handelt sich um graphitummantelte Kugeln. Diese Ummanteilung könnte zu einem besonderen Problem (zum Bespiel bei einem Angriff mit panzerbrechenden Waffen) werden. Denn Graphit ist bekanntermaßen brennbar.

Schließlich lagert in der Schachtanlage Asse II neben Uran auch noch Plutonium, dass in geringsten Mengen tödlich, bzw. krebserregend ist.  Die für einen Menschen tödliche Dosis liegt wahrscheinlich im zweistelligen Milligrammbereich. Die für einen Menschen giftige tödliche Dosis liegt wahrscheinlich im zweistelligen Milligrammbereich. Viel gefährlicher als die chemische Wirkung ist seine Radioaktivität, die Krebs verursachen kann. Bereits die Inhalation von 40 Nanogramm (das sind Millionstelgramm) Plutonium reicht aus, um den Grenzwert der Jahres-Aktivitätszufuhr für Inhalation bei Arbeitern zu erreichen.

Häufig wird – gelinde gesagt: fahrlässig – übersehen, dass in der Schachtanlage Asse II nicht nur radioaktiver Atommüll liegt, sondern auch chemotoxischer Müll liegt, z. B. Arsen.

Wikipedia sagt zu Arsen u. a.: „Eine akute Arsenvergiftung führt zu Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen, inneren Blutungen, Durchfall und Koliken, bis hin zu Nieren- und Kreislaufversagen. Bei schweren Vergiftungen fühlt sich die Haut feucht und kalt an und der Betroffene kann in ein Koma fallen. Die Einnahme von 60 bis 170 Milligramm Arsenik gilt für Menschen als tödliche Dosis … meist tritt der Tod innerhalb von mehreren Stunden bis wenigen Tagen durch Nieren- und Herz-Kreislaufversagen ein.“ 

Arsen hat zudem die „unangenehme Eigenschaft“ keiner Halbwertzeit zu unterliegen.  Arsen ist und bleibt giftig und verliert über einen noch so langen Zeitraum nichts von seiner Gefährlichkeit.

Die Zwischenlagerung nach der Bergung des radioaktiven und chemotoxischen Mülls aus der Schachtanlage Asse II kann immer nur ein Provisorium sein. Ziel muss eine auf Dauer angelegte Verwahrung des Mülls sein. Hierzu hat sich bisher – abgesehen von einer einzelnen Person – siehe unser Beitrag – noch niemand ernsthaft geäußert.

Die Zwischenlagerung des Mülls aus der Schachtanlage Asse II wird daher – nach heutigem Stand – eine Langzeitzwischenlagerung sein.

Was folgt daraus?

Die Bergung des Atommülls muss unter hohen Sicherheitsanforderungen gestaltet werden. Alle Möglichkeiten zur Reduzierung von Risiken muss geprüft und ggf. auch genutzt werden. Es wäre unverantwortlich, wenn dies nicht geschehen würde.  Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten diesem Anspruch auch gerecht werden wollen.

Das Denken darf  jedoch nicht bei der Bergung aufhören.

Der gleiche Anspruch muss auch für den weiteren Umgang mit dem Atommülls aus der Schachtanlage Asse II erfüllt werden.

Eine oberflächennahe untertägige Lagerung des Mülls aus der Schachtanlage Asse II würde durch die zusätzliche geologische Schwelle und die besseren Möglichkeiten zur Verhinderung  der  Bedrohung von außen viele Vorteile bieten.

Eine mögliche Erklärung wäre diese: Warum soll das BfS, das sich frühzeitig auf ein assenahes Zwischenlager festgelegt hat, eine andere Zwischenlagervariante ernsthaft untersuchen, die diese Vorfestlegung infrage stellen könnte?

Das BfS versteht sich als politische Behörde. Ihr Präsident ist ja auch ein „Parteibuch-Präsident“ Sachliche Auseinandersetzungen werden der politischen Opportunität geopfert.

(Hierzu in den nächsten Beiträgen mehr. Es folgt: Teil 2: „A2B – Echter Einfluss oder Mitmach-Theater?“)

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