Zwischenlager: Kritik am Vergleichsverfahren des BfS (Teil 2)

„Im Rahmen des Lenkungskreises Asse wurde zum Zwischenlagerstandort vereinbart, dass die aus dem Zwischenlager resultierende Direktstrahlung im Normalbetrieb für zwei fiktive Standorte in unterschiedlichen Abständen zur Wohnbebauung verglichen werden sollen.“

Auf die Tatsache, dass diese Vereinbarung vom Lenkungskreis getroffen wurde, die Begleitgruppe nur im Nachhinein informiert wurde, kommen wir in einem gesonderten Beitrag zurück.

Doch sehen wir uns die Planungen im Detail an:

 

1. Vollständiger Vergleich – statt „Scheuklappenblick“

Es ist absehbar, dass die einzelnen Bergungs- und Bergungsfolgeschritte mit radiologischer Belastung verbunden sind. Vereinfacht dargestellt handelt es sich um die Schritte Bergung, Konditionierung und Zwischenlagerung.

An der Asse sind die Belastungen aus Bergung und Konditionierung – nach heutigem Stand der Diskussion – gesetzt. Diese Belastung wird die Bevölkerung also so oder so tragen müssen.

Wer nur die Risiken aus der Zwischenlagerung betrachtet, betreibt eine theoretische Betrachtung, die die realen Belastungen der Menschen an der Asse ignoriert.

 

2. Vollständiger Vergleich – auch Störfallauswirkungen vergleichen statt „Schönwetter-Vergleich“

Der Vergleich soll die Direktstrahlung im Normalbetrieb umfassen. Wenn der Vergleich auf die Direktstrahlung reduziert wird, werden z. B. Ableitungen und toxische Risiken nicht betrachtet. Da bereits heute aus der Asse erhebliche Tritiumableitungen erfolgen, ist es nicht nachvollziehbar, dass Ableitungen nicht in den Vergleich einbezogen werden. Das Thema der toxischen Wirkungen sind wir bereits im ersten Teil eingegangen.

Uns ist keine kerntechnische Anlage bekannt, die während der gesamten Betriebsdauer im „Normalbetrieb“ gelaufen ist. Die Situation in der Schachtanlage Asse II ist schließlich kein Zustand, der aus dem Normalbetrieb entstanden ist. Wer sich – in welcher Phase der Bergung und der folgenden Maßnahmen auch immer – auf einen „Normalfall“ beschränkt, stellt unter Beweis, dass aus den Erfahrungen mit der Schachtanlage Asse II nichts gelernt wurde.

 

3. Grenzwertirritationen

Grenzwerte erzeugen das trügerische Bild, dass jede Belastung, die unterhalb dieser Grenzwerte kein Risiko darstellen würde. Sie stellen jedoch das Ergebnis einer Abwägung dar, welches Risiko man der Bevölkerung zumuten will.

Es liegt auf der Hand: Wenn drei Atomanlagen an einem Standort betrieben werden (Bergungsbetrieb, Konditionierung und Zwischenlagerung), ist das Risiko, dass selbst diese Grenzwerte erreicht werden höher, als beim Betrieb von zwei Anlagen (Bergungsbetrieb und Zwischenlagerung) einem Standort.

(Fortsetzung folgt)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Asse II, Uncategorized, Zwischenlager veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.