Energielüge reloaded – Braunkohle ist die neue „Brückentechnologie“ – Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Braunkohle statt erneuerbarer Energie = Re-Monopolisierung der Energieversorgung

Wenn die Energieversorgung durch eine eigene Solaranlage auf dem Dach oder andere „private“ Anlagen erfolgt, treten dadurch zwei Effekt ein. Erstens: Strom, der über den eigenen Bedarf hinaus erzeugt wird, wird in das Stromnetz eingespeist. Die von einzelnen Kleinsterzeugern bereitgestellte Strommengen sind für sich betrachtet bedeutungslos. Wenn jedoch eine Vielzahl von neuen Kleinsterzeugern vorhanden sind, werden diese zu einem „ökonomischen Störfaktor“ für Energiekonzerne. Dies gilt umso mehr, da diese „Kleinsterzeuger“ durch die Selbstversorgung auch als Nachfrager und damit als Kunden entfallen.

Die Energiepolitik der Wirtschafts- und Energieministers Gabriel steuert dieser Entwicklung mit der Fixierung auf die Braunkohle und der Behinderung der Nutzung regenerativer Energiequellen mit Macht entgegen. Gabriels Politik ist auf eine Wiederherstellung der Quasi-Monopolstellung der Energiekonzerne ausgerichtet – getreu des Slogans der SPD im letzten Bundestagswahlkampf: Das WIR entscheidet. Wobei immer deutlicher wird, dass für Gabriel das „WIR“ für W-irtschaft, I-dustrie und R-üstung steht.

Der Preis? Kohleverbrennung ruiniert unsere Gesundheit!

– Die europäische Umweltagentur schätzt, dass 90 % der städtischen Bevölkerung in der EU Feinstaub- und Ozonbelastungen ausgesetzt, die über den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation liegen.

– Fast ein Drittel der Bevölkerung ist Feinstaubbelastungen ausgesetzt, die die EU-eigenen Vorgaben vorsehen – wobei diese Vorgaben 2,5 mal so hoch sind, wie die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

– Kohlekraftwerke erzeugen mehr als 40 % der Stickoxidemissionen, die durch die Stromerzeugung anfalle.

– Kohlekraftwerke erzeugen 70 % der Schwefeldioxidemissionen in der EU.

– Kohlekraftwerke machen etwa  die Hälfte der Quecksilberemissionen der gesamten Industrie aus.

– Kohlekraftwerke sind für ein Drittel aller industriellen Arsenfreisetzungen in die Luft verantwortlich.

– Selbst durch die beste Filtertechnik könnten diese Belastungen nicht „auf Null gefahren werden“. Aber selbst die vorhandenen Möglichkeiten zur Schadstoffreduzierung stehen nicht auf der Tagesordnung der Politik und Industrie oder werden unterlaufen. Selbst in den USA liegt die als erreichbar angesehene Regelungstechnik für Schwefeldioxidfreisetzungen bei einem Drittel der EU-Vorgabe, die Grenze für die Feinstaubbelastungen liegen etwa bei einem Zehntel der in EU zugelassenen Werte.

2016 wird eine neue Luftverschmutzungsvorschrift der EU in Kraft treten. Bereits heute arbeiten die Regierungen daran, nationale Übergangsregelungen zu formulieren, die es ermöglichen, selbst die schmutzigsten Kraftwerke ohne Nachrüstungen mindestens bis 2020 weiter zu betreiben.

Die Auswirkungen

Nach einer Studie der Universität Stuttgart  über die Auswirkungen der gesundheitlich Schäden durch die 67 größten Braun- und Steinkohlekraftwerke sowie der zu erwartenden Belastungen durch 15 Neubauprojekte (die von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde), führen die Emissionen deutscher Kohlekraftwerke

– JEDES JAHR zum vorzeitigen Tod von etwa 3.100 Menschen.

– Dies ist gleichbedeutend mit einem Verlust von 33.000 Lebensjahren.

 

Politik für die Industrie und gegen die Bevölkerung

Diese Zahlen machen deutlich, dass ein Forcieren der Stromerzeugung durch Braunkohle zu fatalen Risiken und Belastungen der Bevölkerung führt.

Wenn selbst die vorhandenen Möglichkeiten zur Reduzierung der Risiken nicht genutzt werden, weil sie zu Kosten der Industrie führen, wird die Gesundheit der Bevölkerung auf dem Altar des Wettbewerbs geopfert.

(Die im Beitrag zitierten Werte wurden der Broschüre „Tod aus dem Schlot“ von Greenpeace entnommen)

 

Teil 3: Ein Blick auf die Kohlekraftwerke in der Region folgt-

 

 

 

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