Zur Diskussion: Neue Spielchen?

Zu Beginn dieser Woche wurden Überlegungen einer Arbeitsgruppe des Bfs und der Asse GmbH veröffentlicht, wie eine Beschleunigung der Bergung des Atommülls aus der Schachtanlage Asse II erfolgen könnte.

Eine Beschleunigung der Bergung des des Atommülls ist seit Jahren Bestandteil der Diskussion in den Bürgerinitiativen. Die jetzige Initiative des Betreibers scheint auf dem ersten Blick dieser Forderung zu folgen. Ein „zweiter Blick“ wirft jedoch eine Reihe von Fragen auf, die in dem folgenden Diskussionsbeitrag dargestellt sind.

  • Nachdem die Bürgerinitiativen von Anfang an die vorgeschaltete Faktenerhebung als Verzögerungsaspekt benannt haben, kommt nun eine 14köpfige „Expertengruppe“ des BfS zu der Erkenntnis, das es auch ohne gehen könnte, um die Rückholung zu beschleunigen.
  • Nachdem die entsprechenden Forderungen der Bürgerinitiativen nach einem Rückholungsbeginn mit den leicht zugänglichen Kammern bisher vom BfS zurückgewiesen wurden, kommt nun eine 14köpfige „Expertengruppe“ des BfS zu der Erkenntnis, dass das nun doch ginge, um die Rückholung zu beschleunigen.
  • Nachdem der Vorschlag der Bürgerinitiativen, doch zuerst den mittelaktiven Müll aus der nicht vefüllten Kammer zu bergen, vom BfS bisher vehement abgelehnt wurde, kommt nun eine 14köpfige „Expertengruppe“ des BfS zu der Erkenntnis, dass das vielleicht doch gehen könnte.
  • Nachdem das BfS – mit Hinweis auf das Atomgesetz – eine Rückholung durch Schacht 2 bisher ausgeschlossen hat, kommt nun eine 14köpfige „Expertengruppe“ des BfS zu der Erkenntnis, dass eine weitere Bewertung ergeben könnte, dass eine Bergung des mittelaktiven Mülls durch Schacht 2 vielleicht doch möglich sein könnte.
Wer die bisherigen Aussagen und Argumentationen der beteiligten Behörden einbezieht, könnte zu folgenden Überlegungen gelangen:
  • Frage 1: Wem nützt es? Wer ist der Initiator?+<br>
  • Frage 2: Was ist der Zweck bzw. das übergeordnete unausgesprochene Ziel des plötzlichen Umschwungs?<br>
  • Frage 3: Warum gerade jetzt?<br>
Betrachtet man die Vorgänge in der gesamten Bundesrepublik, dann drängen sich einige Vermutungen auf:
Das BfS drängt darauf, dass an der Asse ein riesiges Zwischenlager mit Konditionierungsanlage für endlagerfähige Gebinde gebaut wird, angeblich nur für den Asse-Müll. (Wir wissen, dass eine solche Einschränkung weder durch die entprechende Genehmigung noch durch Gesetze gesichert werden kann.) Das BfS meint, dass ein solches Zwischenlager irgendwo anders nicht akzeptiert würde, aber der Bevölkerung an der Asse als notwendig für die Rückholung aufgedrängt werden könnte. (Tatsächlich nötig sind nur ein Puffer- und Bereitstellungs-Lager begrenzter Größe und eine Transportkonditionierung.)
Verteilt über die Bundesrepublik existieren dezentrale Zwischenlager, deren Genehmigungen bald auslaufen und die wohl inzwischen alle mit Sicherheitsproblemen zu tun haben. So jedenfalls wurde es von Bund und BfS vor kurzem in Salzgitter beim Leserforum vom Podium herab durchs Mikrofon vermittelt, um die Dringlichkeit einer Inbetriebnahme von Schacht Konrad zu untermauern – geplanter Einlagerungsbeginn ca. 2022, also in etwa 7 Jahren.
Atomwirtschaft und Bundesländer machen Druck, um ihren Atommüll loszuwerden. Nach der (bisher vorgesehenen) Stillegung der Atomkraftwerke und deren geplantem Rückbau wird es keine „heiße Zelle“ zur Nachkonditionierung von berstenden/blähenden/rostenden/undichten Gebinden an den Standorten der dezentralen Zwischenlager mehr geben.
Ein großes Zwischenlager an der Asse mit eigener Konditionierung könnte das alles auffangen. Die entsprechenden Genehmigungs- und Gesetzes-Änderungen wären ein Klacks und würden rasend schnell vorliegen. Das haben wir in anderen Fällen schon beobachtet.
Die Asse müsste nur genau im richtigen Zeitpunkt absaufen, nämlich wenn das Zwischenlager vor Ort fertig ist, aber noch kein Atommüll über Tage. Man muss also einen Grund finden, das Zwischenlager schon deutlich vor 2033 (von Frau Hendricks bestätigter vorgesehener Rückholungsbeginn) zu bauen. Man muss dafür sorgen, dass die Asse nicht absäuft, bevor das Zwischenlager fertig ist, sonst klappt der Plan nicht. Und man kann sich drauf verlassen, dass eine fertige, betriebsbereite Anlage vor Ort, die nicht für den dann unten bleibenden Asse-Müll gebraucht wird, garantiert nicht zurückgebaut wird (wäre  Geldverschwendung), sondern als zentrales Zwischenlager für ganz Deutschland genutzt würde.
Der Probelauf der 3D-Seismik auf sehr begrenzter Fläche hat ein paar Wochen Messung und fast ein Jahr Auswertung gebraucht. Hat das BfS die zugesagte Präsentation der Ergebnisse – ggf. in allgemein verständlicher Zusammenfassung – bisher erledigt? Die Auswertung dauerte mit Hinweis auf „riesige“ Datenmengen doppelt so lange wie auf der vorherigen Veranstaltung des BfS in Remlingen angekündigt. Die jetzt angekündigte große Messung, für die wohl noch Betretungsbefugnisse eingeholt werden müssen, soll 2016 beginnen. Wie lange dauern diese Messungen? Wie lange dauert voraussichtlich die Auswertung? Wartet der Bau von Schacht 5 erst die Ergebnisse ab? Dann spart man auch diese Baukosten, wenn die Asse vorher absäuft. Und mit dem Hinweis auf „vielleicht doch einen Teil durch Schacht 2 bergen“ kann man das Zwischenlager zeitnah erzwingen.
Antwort auf Frage 1: vermutlich Bundes-Umweltministerium und Atomwirtschaft und 15 Bundesländer mit Atommüll
Antwort auf Frage 2: Austricksen der Asse-Anwohner, Dauer-Zwischenlager für den gesamten schwach- und mittelaktiven Müll der Bundesrepublik
Antwort auf Frage 3: Mediation des A2B ist abgehakt, jetzt müssen ja alle mitspielen und keiner darf meckern, wenn das BfS was macht
Auch wenn das BfS immer wieder seine öffentlichen Aussagen anschließend relativiert (so war das ja nicht gemeint, das sei missverstanden worden, man habe nicht richtig zugehört, man habe Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen …) oder zurücknimmt (oder sogar leugnet), finden sich doch immer wieder Bestätigungen „weit hergeholter Theorien“ in alten und neuen Protokollen und Zeitungsartikeln. Bin auch diesmal gespannt, wie vehement meine obigen Überlegungen als absurde Verschwörungstheorie abgelehnt werden, und welche Teile davon in 10 Jahren Wirklichkeit geworden sein werden. Vielleicht fühlen sich aber auch einige Instanzen jetzt bereits ertappt. Jedenfalls kann niemand behaupten, das sei nicht vorhersehbar gewesen, wenn es so kommt, wie ich befürchte.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.