Kein „weiter so“ bei „Zwischenlagern“ …

zur Diskussion über ein“Zwischenlager“ für den Atommüll aus Asse II … und darüber hinaus

weiter soWenn über „Zwischenlager“ geredet wird, wird nicht darüber nachgedacht, welche (Mindest-)Anforderungen wir an ein Zwischenlager formulieren müssen, sondern man hat häufig das „Zwischenlager“-Modell „Kartoffelscheune“ im Kopf und denkt häufig auch noch die 40-jährige Betriebsdauer mit.

 

Dies führt dazu, dass nur noch über den Standort eines Zwischenlagers gestritten wird. Über das Wie – und damit die geringstschädliche Form – der Zwischenlagerung wird  nicht mehr diskutiert.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hält an seinen einmal gefassten Grundsätzen  „asse-nah“, „obertägig“ und „geeignet“ (damit ist die Einhaltung der Grenzwerte am Zaun der Anlage gemeint) fest.

Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen, die es erfordern, dass die Frage, wie eine Zwischenlagerungen erfolgen kann, von Grund auf neu beantwortet werden muss.

 

  1. Niemand kann verlässliche Angaben darüber machen, für welche Dauer ein „Zwischenlager“ betrieben werden muss. Daher müssen wir von einem Langzeitlager oder vorläufigen Endlager ausgehen.

Deshalb sind andere Sicherheitsanforderungen zu stellen, als sie an ein Zwischenlager gestellt wurden, dass nur für einen absehbar befristeten Betrieb festgelegt wurden.

 

  1. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig-Holstein – bestätigt durch das Bundesverwaltungsgericht (BVG) – hat die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager in Brunsbüttel „kassiert“. Die Genehmigungen anderer „Zwischenlager“ können nicht „angegriffen“ werden, da sie rechtskräftig sind,was nichts darüber aussagt, dass sie unter Berücksichtigung der heutigen Gefährdungslage auch sicher sind.

Für das Brunsbüttel-Urteil waren tragende Gründe, dass eine veränderte Gefährdungslage eingetreten sei. Konkret handelt es sich hierbei um den möglichen gezielten Absturz von größeren Flugzeugen und die Bedrohung durch durchschlagskräftige panzerbrechende Waffen. Diese technische Entwicklung wird sich fortsetzen, neue Bedrohungsszenarien werden entstehen.

Daraus folgt, dass höhere Anforderungen an die „äußere“ Sicherheit von Zwischenlagern zu stellen sind und auch die Schutzsysteme gegen das Eindringen in ein „Zwischenlager“ einem höheren Standard gerecht werden müssen und dass diese „Rahmenbedingungen“ ggf. immer wieder auf ein höheres Niveau gebracht werden müssen.

 

  1. Die neue Studie über die Auswirkungen von Niedrigstrahlung  macht deutlich, dass Grenzwerte keine Sicherheit garantieren, sondern je nach Lesart ein „radiologischen Placebo“ oder ein bewusst eingegangenes Erkrankungsrisiko für die Bevölkerung sind.

 

Für die Reduzierung des Strahlenrisikos ist ein Blick auf die A-Regeln des Strahlenschutzes ganz hilfreich:

  • Aktivität begrenzen,
  • Aufenthaltsdauer minimieren,
  • Abstand halten,
  • Abschirmung verwenden,
  • Aufnahme vermeiden.

Jeder mag sich selbst die Frage beantworten, welche dieser Regeln bei einem „Zwischenlager“ in der Nähe von Wohnbebauung eingehalten werden kann.

 

  1. Die Wendland-Studie von Dr. Scherb und Kutzmirz geht davon aus, dass sich um Atomanlagen herum „Neutronen-Wolken“ bilden, deren Neutronen u. a. von Atomen aufgenommen werden, die dadurch radioaktiv werden und gleichzeitig eine kurze Halbwertzeit haben (Argon 41). In der Studie wird davon ausgegangen, dass diese radioaktiven Isotope die Zellteilung nach der Befruchtung beeinflussen und zu letalen (=tödlichen) Mutationen führen. Da die Zellteilung weiblicher Embryonen „komplizierter“ ist, sind sie anfälliger für radiologische Beeinflussung. Und dies führt dann zu weniger Mädchengeburten.

 

Es gibt bisher keinen anderen plausiblen Erklärungsansatz als den von Dr. Scherb und Kutzmirz.

(Randbemerkung: Diese Auswirkungen beleuchten nur das „Mädchen-Minus“. Die Gesamtzahl der letalen Mutationen kann noch erheblich höher sein. Dies soll ein fiktives Beispiel verdeutlichen.

Das Phänomen der „verlorenen Mädchen“ unterstellt, dass es keine fehlenden Jungengeburten gibt. Wenn 20 Jungengeburten nicht zustande gekommen sind und im Verhältnis Mädchen zu Jungen 40 Mädchen fehlen, sind insgesamt 60 Mädchen „verloren gegangen“. Insgesamt würden dann sogar 80 Geburten fehlen.)

 

  1. Vorteile?

Das Konzept einer oberflächennahen untertätigen Lagerung in einem Tunnel oder Bunker würde offensichtliche Vorteile bieten.

Es bestünde u. a. eine zusätzliche Barriere, die einen zusätzlichen langfristigen Schutz gegen Flugzeugabstürze oder Angriffe mit panzerbrechenden Waffen böte.

Ein solches Zwischenlager wäre nur durch eine begrenzte Anzahl von Eingängen zugänglich. Der Schutz vor unberechtigtem Eindringen wäre wirkungsvoller zu gewährleisten als bei einem freistehenden und von allen Seiten zugänglichen „Zwischenlager“.

Die Freisetzung von Niedrigstrahlung könnte durch die zusätzliche geologische Barriere im Sinne der A-Regeln des Strahlenschutzes (z. B. Abstand, Abschirmung) reduziert werden.

Auch die Gefährdung durch die Bildung der „Neutronenwolke“ könnte reduziert werden.“

Deshalb ist die Möglichkeit vorurteilsfrei zu prüfen.

 

  1. „Innenleben“ eines „Zwischenlagers“

Was für die äußeren Anforderungen an ein „Zwischenlager“ gilt, muss genauso für die Anforderungen an die inneren Bedingungen eines „Zwischenlagers“ gelten.

Einige Bespiele:

  • Die in Massen aufgefundenen Rostfässer in Brunsbüttel sowie die nicht nur dort aufgefundenen falsch deklarierten Fässer machen deutlich, dass die internen Einlagerungen wie auch die internen Prozesse in einem „Zwischenlager“ viel stärker und verlässlich überwacht werden müssen als bisher. Hierfür hat der Gesetzgeber verbindliche Vorgaben zu machen und deutliche Sanktionen bei Verstößen vorzusehen.
  • Bei einer absehbar längeren Betriebsdauer von „Zwischenlagern“ ist von einer höheren Materialermüdung und damit von einem höheren Reparatur- oder Neuverpackungsbedarf auszugehen. Darauf müssen die „Zwischenlager“ zwingend ausgelegt werden.

 

  1. Konsequenzen

Bei der bisherigen Gestaltung von „Zwischenlagern“ ist man von einem mehr oder weniger störungsfreien Betrieb, keinen oder vernachlässigbaren Auswirkungen auf die Umwelt  und von einer 40jährigen Betriebsdauer ausgegangen. Das Ergebnis waren „Zwischenlager von der Stange“.

Alle bisherigen Annahmen haben sich als falsch herausgestellt.

Wenn die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass auch die Lösungen nicht mehr stimmen. Ein Festhalten an „Zwischenlagern“ in der Kartoffelscheunenbauweise kann es daher nicht geben.

Es ist überfällig, dass die Anforderungen an den Bau und den Betrieb eines „Zwischenlagers“ unter den geänderten Rahmenbedingungen von Grund auf neu definiert werden, um einen höchstmöglichen Schutz der Bevölkerung zu erreichen.

Der gegenwärtigen Diskussion um mögliche Zwischenlagerstandorte für den aus der Schachtanlage Asse II zu bergenden Atommüll fehlt es daher an der Grundlage, die das Ziel des bestmöglichen Bevölkerungsschutz verfolgt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized, Zukunftsrat veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.