Ergebnisoffene Standortsuche für ein Zwischenlager? Was nicht passt, soll passend gemacht werden.  

UmleitungDas Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat am 30.11.2015 unter der Überschrift „Asse-Zwischenlager: BfS ergänzt bestehende Studie“ darüber informiert, dass das BfS die sogenannte Parameter-Studie um eine Störfall-Betrachtung ergänzen will und dabei einen assenahen Standort mit einem anonymisierten – aber real vorhandenen – Standort vergleichen will.

Wodurch sich der „anonyme Standort“ von einem assenahen Standort unterscheidet, verrät das BfS nicht.

Ein Vergleich ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn sich die Standorte grundlegend unterscheiden.

Ein Störfall-Vergleich reicht nicht aus

Ein wesentliches Unterscheidungskriterien für einen Vergleich der Auswirkungen eines Störfalls (z. B. eines Flugzeugabsturzes) ist der Abstand von der Wohnbebauung.

Wenn man seriös vergleichen will, müssten schon an dieser Stelle die Auswirkungen bei verschiedenen Abständen untersuchen werden.

Außerdem fordert die WAAG schon seit geraumer Zeit, auch die Zwischenlagerung in Stollen oder Bunkern in den Vergleich einzubeziehen. Doch diese Möglichkeiten zieht das       BfS nicht in Betracht, obwohl es augenscheinlich ist, dass ein Flugzeugabsturz auf eine „Kartoffelscheune“ andere Auswirkungen hat, als auf einen ehemaligen Militärbunker, insbesondere dann, wenn dieser auch noch unterirdisch liegt. Das BfS hat sich nicht nur auf assenah, sondern auch auf oberirdisch „vorfestgelegt“.
Es reicht nicht aus, wenn im Normalbetrieb die „Grenzwerte“ eingehalten werden

Es gibt mehrere Studien, die auf die Risiken von sogenannter Niedrigstrahlung eingehen. Diese Studien betreffen sowohl die Auswirkungen durch sogenannte natürlichen Radioaktivität, wie auch die Auswirkungen von Atomkraftwerke auf die dort Beschäftigen und die Auswirkungen von Zwischenlager auf die Anwohner in der Umgebung.

Bei diesen Untersuchungen handelt es sich um die Auswirkungen im Normalbetrieb, die schon extreme Auswirkungen zeigen.

Wer ernsthaft assenahe und asseferne Standorte vergleichen will, muss auch die Auswirkungen des Normalbetriebs vergleichen.

An dieser Stelle sei  auch unmissverständlich klar gestellt: Wer sich mit der Einhaltung von „Grenzwerten“ als Legitimation für den Bau einer Atomanlage begnügt, handelt unverantwortlich. Grenzwerte sind Kompromisse und ihre Einhaltung besagt nichts darüber aus, ob sie unbedenklich sind – zumal sie auf Föten anders wirken als auf einen Mittzwanziger mit intaktem Immunsystem. Es muss darum gehen, die Belastung auch unterhalb der Grenzwerte soweit irgend möglich zu reduzieren.

Die jetzt angekündigte „Ergänzung“ wird diesem Anspruch nicht einmal im Ansatz gerecht.

Ernsthafter Vergleich oder Alibi-Veranstaltung

Wer trotz der dargestellten Kritik von einem ernsthaften Vergleich ausgeht, wird Lügen gestraft. Zumindest für den Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutzes, Wolfram König, steht das Ergebnis offenbar schon fest.

Zitieren wir hierzu die Braunschweiger Zeitung vom 1.12.2015:

„König erklärte am Montag erneut, dass ein Zwischenlager direkt an der Asse die beste Lösung sei. Sie würde Transportwege vermeiden, die Rückholung würde sich nicht verzögern und es entstünden keine zusätzlichen Kosten.“

Für den Präsidenten stehen die Ergebnisse des Standortvergleichs offenbar schon fest und er offenbart dabei, dass er offenbar nicht dazu in der Lage oder nicht dazu bereit ist, „Dinge bis zum Ende“ zu denken.

Ja – es stimmt, dass Transportwege vermieden werden. Aber: Wenn sich im Vergleich zwischen den Belastungen durch einen Transport zu einem assefernen Standort ergibt, dass der aufgrund der Entfernung zur Wohnbebauung oder besserem Schutz vor Flugzeugabstürzen oder Angriffen von außen anders geartete Standort geringere Belastungen und geringere Risiken im Störfall erzeugt, ist das Argument „Transportvermeidung“ nichts mehr wert.

Das BfS hat außerdem vorfestgelegt, dass Transporte über die Straße erfolgen, obwohl die Schachtanlage einen Gleisanschluss besitzt.

Bei dem Vergleich muss auch berücksichtigt werden, dass niemand weiß, wie lange ein solches Zwischenlager notwendig sein wird, da es noch kein Endlager für den Müll aus Asse II gibt.

Wer behauptet, dass eine Zwischenlagerung an einem „assefernen“ Standort die Rückholung verzögere, muss dafür erst einmal den Beweis antreten.

Genauso verhält es sich bei den Kosten. Der Betrieb eines oberirdischen Zwischenlagers muss zur Einhaltung von Sicherheitsstandards ständig den verändernden Risiken angepasst werden. Bei einem von vornherein untertägig angelegten Zwischenlager würden diese Anpassungen entfallen.

Abgesehen davon kann es nicht sein, dass sich der Verursacher des Desasters – die Bundesrepublik Deutschland – die kostengünstigste Variante aussuchen kann und damit u. U. erneut ein Risiko für die Bevölkerung in Kauf nimmt.

Fassen wir zusammen:

Das BfS führt einen völlig unzureichenden Vergleich durch.

Der Präsident des BfS verkündet schon vor Durchführung selbst dieses unzureichenden Vergleichs, wo – für ihn – der beste Standort ist.

Außerdem wurde schon immer damit argumentiert, dass den Müll sonst doch niemand haben will. Den Verantwortlichen sollte doch klar sein, dass sie das „sonst“ streichen können, und dass die Bevölkerung hier nicht schlechter gestellt werden darf, wie anders wo. Die erhöhte Krebsrate und die fehlenden Geburten von Mädchen sind  statistisch signifikant, es besteht also schon eine Belastung für die Bevölkerung durch den Müll in Asse II. Es gilt die Belastung für die zukünftigen Generationen zu reduzieren – deshalb muss ein Standort gesucht werden, der die geringste Belastung für die Anwohner birgt. Das gilt im übrigen auch für die Konditionierung – zumal noch niemand weiß, wie der Müll neu konditioniert werden muss, da noch nicht bekannt ist für welches Endlager er konditioniert werden soll.

Und das Ergebnis? Politik nach der Devise „Was nicht passt, wird passend gemacht“

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz degradiert die Bürgerbeteiligung zu einer Farce. (Im Übrigen Hand-in-Hand mit der gegenwärtigen Landrätin.)

Politische Durchsetzbarkeit von Standorten ist wichtiger als ein höchstmöglicher Strahlenschutz. Diese Art von Politik hat dazu geführt, dass in einem untauglichen Bergwerk Asse II Atommüll eingelagert wurde.

Wenn die Besetzung von Bundesoberbehörden – wie die der Besetzung des Präsidenten des BfS – nach politischem Proporz und nicht nach fachlicher UND  sozialer Kompetenz erfolgt, bleibt auch bei Entscheidungen die Objektivität und damit der bestmögliche Schutz der Bevölkerung vor vermeidbaren Belastungen auf der Strecke.

Wenn etwas politisch nicht passt, wird es passend gemacht.

 

 

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