Bereits rund 160 Fässer mit Atommüll aus der Schachtanlage Asse II zurückgeholt

Aus der Schachtanlage Asse II wurden in den Jahren 2013 und 2014 rund 160 Fässer mit radioaktiven Abfällen geborgen. Diese Abfälle stammen allerdings nicht aus dem unter der Betreiberschaft des BfS stehenden „Versuchsendlager“.

In der Öffentlichkeit ist kaum bekannt, dass nicht die komplette Schachtanlage Asse II von der Helmholtz-Gemeinschaft zum Bundesamt für Strahlenschutz übergegangen ist. Das sogenannte Auslaugversuchsfeld blieb im Besitz der Helmholtz-Gemeinschaft. In diesem Auslaugversuchsfeld wurde getestet, wie sich radioaktive Stoffe in Betonproben verhalten, wenn sie mit unterschiedlichen Salzlösungen zusammentreffen. Hierbei handelte es sich um Langzeitversuche, die 1979 begannen.

Im Juni 2012 hat das Helmholtz-Institut beantragt, den Versuch zu beenden. Das Niedersächsische Umweltministerium hat diesem Antrag im November 2012 zugestimmt. Die Probenkörper und der angefallene radioaktive Müll sind mittlerweile aus der Schachtanlage Asse II entfernt worden.

Die Prüfkörper werden durch das Karlsruher Institut für Technologie ausgewertet. Während der Versuche sind zusätzliche radioaktive Abfälle angefallen. „In der 41. Kalenderwoche 2013 sind nunmehr in einer ersten Charge 58 Fässer mit betrieblichen radioaktiven Abfällen zur Landessammelstelle Niedersachsen (Anm. der Verfasser: in Jülich/NRW) abtransportiert worden,“ so das Bundesamt für Strahlenschutz  Mindestens ein weiterer Transport sei noch erforderlich. Nach unseren Informationen soll es sich insgesamt um etwa 160 Gebinde gehandelt haben.

Das BfS verweist darauf, dass die Aktivität der Probenkörper nur 1/100 000 des Gesamtinventars in der Schachtanlage Asse II beträgt. Konkrete Angaben zur Aktivität der angefallenen Abfälle macht das BfS in diesem Artikel allerdings nicht. Das BfS verweist zusätzlich darauf, dass der Transport in Behältern erfolgte, die für geringfügig radioaktives Material in der Industrie zugelassen sind.

Welche Aktivität von den transportierten Behältern ausging ist zweitrangig.

Von grundsätzlicher Bedeutung ist ein anderer Sachverhalt. Das BfS hat über lange Zeit die Linie vertreten, dass ein Transport von radioaktiven Stoffen und von Bergleuten über den Schacht II nicht möglich sei.

Sowohl die Probenkörper als auch die Abfälle konnten von 490 m – Sohle aber nur über Schacht Asse II an die Oberfläche gebracht werden.  Das Tabu „Kein Transport von Bergleuten und radioaktiven Stoffen über den gleichen Schacht“ ist somit seit 2013 nicht mehr zu halten.

Sinneswandel

Das BfS hat in jüngerer Vergangenheit mehrfach angedeutet, dass es im Rahmen der Überlegungen zur Beschleunigung der Bergung prüfe, ob Teile des Atommülls über Schacht II geborgen werden könnten. Konkret wurde das BfS dabei jedoch nicht.

Auf der Sitzung des Asse-Begleitgruppe im Dezember 2015 teilte das BfS auf Nachfrage der WAAG mit, dass es prüfe, ob eine Bergung von leicht zugänglichen Atommüllgebinden über den Schacht II möglich sei. Dazu seien auch schon die notwendigen Anträge bei den beteiligten Behörden gestellt worden

Beschleunigung der Bergung möglich? Neue Fragen drängen sich auf.

Wenn sich eine Bergung  über den Schacht Asse II bewerkstelligen lässt, ist ein früherer Bergungsbeginn wahrscheinlich. Das bedeutet dann aber auch, dass eine Reihe von Folgefragen eine andere Priorität erlangen. Das BfS ist gefordert, hierfür einen zeitlichen Rahmenplan vorzulegen.

Das gilt zuerst für die Konditionierung. Bleiben die dann geborgenen Fässer (vorerst) ungeöffnet und werden sie ggf. mit einer zusätzlichen Ummantelung „beiseite gestellt“ und werden sie erst dann neu konditioniert, wenn feststeht wie und wo die endgültige Lagerung erfolgt oder sollen sie schon jetzt geöffnet und vollständig neu konditioniert werden.

Dem schließt sich die Frage an, wo der geborgene Atommüll so zwischengelagert werden kann, dass die geringste Belastung durch die Zwischenlagerung entsteht.

Wer größtmögliche Transparenz verspricht, hätte hierüber schon längst einen Dialog aufnehmen müssen.

 

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