Teilerfolg der WAAG zum Thema Gesundheitsmonitoring und Gefährdungsanalyse für den Bereich um Asse II – die nächsten Schritte müssen folgen

2010 wurde die signifikant erhöhten Leukämie und Schilddrüsenkrebsfälle in der Samtgemeinde Asse veröffentlicht. Daraufhin wurde ein „Expertenkreis Asse“ eingerichtet, dessen Abschlussbericht vor ca. drei Jahren vom Landkreis veröffentlicht wurde. Im Vorwort schreiben Landrat Röhmann und die Ministerin für Gesundheit Özkan: „Ein Zusammenhang zwischen den in der Samtgemeinde Asse beobachteten Krebshäufungen und einer Beschäftigung bei der Schachtanlage Asse II kann nicht gesehen werden.“ Ein Zusammenhang zwischen den erhöhten Krebsfällen in der Samtgemeinde Asse und der Belastung der AnwohnerInnen wurde gar nicht erst untersucht. Dazu, dass es in Remlingen statistisch gesehen zu wenige Mädchengeburten gibt (ein Phänomen, das auch an anderen Atomstandorten auftritt), heißt es „Auch hier konnte erfreulicherweise kein Zusammenhang nachgewiesen werden.“

Welche Ursachen die erhöhten Krebsraten und die zu wenigen Mädchengeburten denn dann haben, dem wurde nicht weiter nachgegangen.

Die WAAG schlug deshalb im Zusammenhang mit dem Asse-Fonds vor, erst die Nachteile durch Asse II – vor allem die gesundheitlichen – feststellen zu lassen, bevor einfach Geld verteilt wird. Dazu meinte Landrätin Steinbrügge, dass sie „positive Vorschläge“ für den Asse-Fonds wünsche.

Erst aufgrund des von der WAAG an Fachleute versandten Entwurf eines Schreibens an den Kreistag und dessen öffentliche Ankündigung führte dazu, dass es in der WZ hieß, dass die WAAG damit bei der Landrätin und einigen Fraktionen offene Türen einlaufe. Die Türen standen also schon seit drei Jahren offen!! Es folgte ein abgespeckten Antrag der Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, der aber nur Teile des WAAG-Antrages umfasst, das wichtige Thema Gefahrenanalyse gar nicht beinhaltet. Den vollständigen Antrag der WAAG finden Sie hier. Die Unterschiede zwischen dem Antrag von SPD und Bündnis 90 und der Initiative können Sie hier nachlesen.

Der Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen wurde vom Kreistag am 13.6.16 an den Umweltausschuss weitergeleitet und jetzt von Umweltausschuss auf seiner Sitzung am 29.8.16 einstimmig angenommen.

Leider wurde der Ergänzungsantrag der Fraktion Die Linke und der Kreistagsabgeordenten Heike Wiegel vom 9.6.2016 nicht behandelt. Dieser weitergehende Antrag enthält u. a. auch die Forderungen der WAAG. Er wurde lediglich in den nicht öffentlich tagenden Kreisausschuss überwiesen. Der Sprecher der CDU-Fraktion erklärte, man habe noch Beratungsbedarf, der Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen erklärte, man habe noch nicht die „Muße“ (!?) gehabt, sich intensiver mit dem Antrag auseinanderzusetzen. Dabei ist der Ergänzungsantrag allen Kreistagsmitgliedern seit dem 9.6.16 bekannt. Er wurde außerdem am 13.6.16 auf der Kreistagssitzung eingebracht.

Es ist zumindest bezeichnend, dass sie sich für dieses wichtige Thema in den letzten 11 Wochen keine „Muße“ genommen haben. Klärungsbedarf zu den Forderungen der WAAG vom 9.5.16 gab es offensichtlich auch nicht, bei der WAAG sind zumindest keinerlei Rückfragen eingegangen.

Trotzdem: Gesundheitmonitoring – ein erster Schritt und Teilerfolg

Ungeachtet dessen ist es ein erster Teilerfolg, dass alle Fraktionen sich mit dem Problem der Niedrigstrahlung beschäftigen mussten und hoffentlich erkannt haben, dass dieses Problem nicht auf die „leichte Schulter“ genommen werden kann.

Der Umweltausschuss in seiner Gesamtheit hat eine erste Entscheidung empfohlen, die in die richtige Richtung geht. Das ist mehr als andere Kreistage beschlossen haben, die Atomanlagen in ihrem Landkreis haben. Es wird sich zeigen, ob bzw. von wem das Thema ernsthaft und im Interesse der Betroffenen weiterverfolgt wird. Dazu bedarf es weiterhin eines breiten Engagements der Bevölkerung.

Ein Gesundheitsmonitoring ist notwendig, aber es beleuchtet nur die Folgen und Auswirkungen einer Atomanlage.

Wie aus einem Teilerfolg ein voller Erfolg für die Bevölkerung werden kann

Die WAAG und der Antrag von Heike Wiegel und die Fraktion Die Linke fordern neben dem Gesundheitsmonitoring auch eine Gefährdungsanalyse. Durch die Gefährdungsanalyse sollen mögliche Gefahren erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden, bevor negative Auswirkungen eintreten können.

Ein Beispiel aus einem anderen Bereich:

Die Durchführung von Gefährdungsanalysen ist für jeden Arbeitsplatz vorgeschrieben. Am folgenden Beispiel lässt sich die Bedeutung verdeutlichen:

Durch ein Gesundheitsmonitoring lässt sich beobachten, welche Risiken ein Laserdrucker, der direkt am Büroarbeitsplatz steht, verursacht. Ob eine konkrete Erkrankung als Berufserkrankung als Auswirkung des Einsatzes des Laserdruckers anerkannt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Durch eine Gefährdungsanalyse hingegen wird festgestellt, dass ein Laserdrucker direkt am Arbeitsplatz u. a. durch die Freisetzung von Toner oder Feinstaub ein potentielles Risiko darstellt, das vermieden werden kann. Laserdrucker werden daher sinnvollerweise nicht am Arbeitsplatz, sondern in einem gesonderten – möglichst gut durchlüfteten – Raum aufgestellt.

Die WAAG will, dass dieses Prinzip auf die Schachtanlage Asse II und die Prozesse im Zusammenhang mit der Bergung übertragen wird.

Nicht die Einhaltung von Grenzwerten, sondern die darüber hinausgehende Vermeidung von Risiken muss das Ziel sein

Die Diskussionen enden häufig bei der Frage, ob die Grenzwerte eingehalten werden oder nicht. Doch die alleinige Einhaltung von Grenzwerten gibt nur eine trügerische Sicherheit und dient vielfach auch als Legitimation dafür, keine weiteren Anstrengungen zur deutlicheren Strahlenreduzierung zu unternehmen und wird so zu einem gefährlichen Alibi.

Doch genau das ist das Problem. Denn:

„Für das strahlenbedingte Leukämie- und Krebsrisiko gibt es keine Schwellendosis. Auch niedrige Dosen können die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krebs oder Leukämien erhöhen. “
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz – dort unter „Strahlenbedingte Krebs- und Leukämie-Erkrankungen lassen sich nur durch statistische Methoden feststellen“ letzter Absatz

An der Schachtanlage Asse II besteht eine große Chance. Durch eine Gefährdungsanalyse, die von dem Gedanken getragen wird, dass es für die negativen Auswirkungen ionisierender Strahlung keinen Schwellenwert gibt, kann eine neue Qualität im Umgang mit den Risiken ionisierender Strahlung erreicht und damit AnwohnerInnen besser geschützt werden.

Im Zusammenhang mit Asse II können neue Maßstäbe gesetzt werden. Alle Beteiligten stehen in der Pflicht ihren Beitrag dazu zu leisten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.