Kurzbericht von der Sitzung des Umweltausschusses der Wolfenbütteler Kreistages – Erhöhte Quote von Schilddrüsenkrebs

graphic-1606688_1280In der Sitzung des Umweltausschusses wurden am 5.12.2016 vom Epidemiolo-gischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) neue Zahlen über Krebserkran-kungen in der ehemaligen Samtgemeinde Asse vorgestellt.

Der Bericht ist mittlerweile auf der Seite des EKN unter dem Datum 6.12.2016 veröffentlicht.

Ausgewertet wurde vom EKN leider – wie schon in dem Bericht bis 2009 – nur das Gebiet der ehemaligen Samtgemeinde Asse (siehe S. 6 des Berichts des EKN), nicht wie – von der WAAG beim Kreistag bzw. der Landrätin – angefordert für die Region rund um die Schachtanlage Asse II. Das bedeutet, dass einige Orte, die in der Nähe der Schachtanlage liegen bisher gar nicht betrachtet wurden, z. B. Vahlberg, Mönchevahlberg, Dettum, Weferlingen, Berklingen.

In Kürze:

Es gibt für die ehemalige Samtgemeinde Asse weiterhin eine erhöhte Quote von Schilddrüsenkrebsneuerkrankungen.

Zur Größenordnung: erwartete Fälle 3,8 – tatsächliche Fälle 9. Besonders auffällig ist die Überschreitung in Groß Denkte – erwartete Fälle 1,2 –  tatsächlich Fälle 4.

Auffällig war in der Vergangenheit, dass die Zahl der zu erwartenden Krebsfälle teilweise merklich angehoben wurde. So stieg z. B. auf Landkreisebene die zu erwartende Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle für Frauen von 2009 auf 2010 von 7 auf 10 Fälle – eine Steigerung von fast 50 %. Mit der Altersentwicklung kann diese Steigerung von einem auf‘ das nächste Jahr sicherlich nicht begründet werden.

2010 – 2014 erkrankten doppelt so viele Männer und Frauen in der ehemaligen Samtgemeinde Asse an Schilddrüsenkrebs (Papilliäres Adenokarzinom) wie zu erwarten gewesen wären. Bei der Auswertung bis 2009 war die Rate nur bei den Frauen signifikant erhöht, damals lag sie bei Frauen dreimal so hoch.

Bei Papilliärem Adenokarziniom handelt es sich nicht um eine Schilddrüsenkrebsart, die aufgrund von Vererbung stärker auftritt. Allerdings kommt diese Krebsart in Gebieten mit erhöhter radioaktiver Strahlung in der Umwelt, wie in Tschernobyl nach dem Reaktorunfall, oder bei Kindern und Jugendlichen, die in der Vorgeschichte in der Hals- und oberen Brustgegend bestrahlt worden sind, häufiger vor als bei Personen ohne diese Strahlenbelastungen.

Bei den Neuerkrankungen an Leukämie liegen die tatsächlichen Zahlen unterhalb der erwarteten Zahlen. Allerdings wurde in dem Vortrag keine Differenzierung nach Geschlechtern vorgenommen.  Bis 2009 waren die Leukämiefälle nur bei Männern erhöht, deshalb wäre es wichtig, auch ab 2010 eine Aufschlüsselung nach Männern und Frauen vorzunehmen, damit die Entwicklung eindeutiger nachvollzogen werden kann.

Addiert man aber die Anzahl der Neuerkrankungen an Leukämie und die Neuerkrankungen an anderen Blutkrebsarten, stimmt diese Summe exakt mit der zu erwartenden Zahlen für Leukämie und andere Blutkrebsarten überein. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Neuerkrankungen an den anderen Blutkrebsarten (also nicht Leukämie) höher liegen als erwartet (tatsächlich 19 Fälle – erwartet 15,5). Die Abgrenzung zwischen Leukämien und anderen Blutkrebserkrankungen sei schwierig, betonte der Referent des EKN beim Umweltausschuss.

Er betonte außerdem, dass man keine Aussagen über die Ursachen machen könne. Dazu wären weitere Studien notwendig, die dann – wenn – extern vergeben und entsprechend finanziert werden müssten.

Eine Bewertung der Ergebnisse und eine Darstellung der Forderungen, die sich für die WAAG daraus ergeben, erfolgen in einem der nächsten Beiträge auf diesem Blog.

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