Meldepflichtiges Ereignis in der Schachtanlage Asse II – 100-fache der Freigabegrenze überschritten

switches-923072_1280Auf der Seite  www.asse.bund.de haben wir den Hinweis auf das meldepflichtige Ereignis 002/2016 gefunden.

Was hat es damit auf sich?

In einem Vorfilter im Bereich der eingelagerten mittelradioaktiven Abfälle wurde festgestellt, dass das 100-fache der Freigabegrenze überschritten wurde.

In der Meldung über den Vorfall  steht u. a.: Auf Grund einer am 24.09.2015 festgestellten erhöhten Ortsdosisleistung....“  Als Datum wird in der Übersicht der Standortüberwachung aber der 15.7.16 angegeben. Zwischen diesen beiden Daten liegt ein Zeitraum von fast 10 Monaten, der nicht weiter erklärt ist.

Es ist für uns auch nicht nachvollziehbar, dass auf den Sitzungen der Asse II-Begleitgruppe nicht über die diesen Vorfall informiert wurde. Wer für sich in Anspruch nimmt, umfassend und offen zu informieren, hätte bereits im September 2015 eine entsprechende Information preisgeben müssen.

Auch die weitere Vorgehensweise des Betreibers wirft Fragen auf:

In der Meldung heißt es:

„Zur weiteren Sachverhaltsklärung war beabsichtigt, die Filter in einem externen Labor radiologisch untersuchen zu lassen.“ Und dann nur noch: „Die Filter lagern bis auf weiteres in Folie eingeschweißt in einer Box in der ELK 7, 725-m-S“ und „Sofortmaßnahmen: weitere Lagerung der Filter in ELK, kein Versand für Untersuchungen

Und weiter:

„Maßnahmen gegen eine erneute Aktivitätsfreisetzung aus Abfallgebinden innerhalb der Einlagerungskammer (EU<) Sa 511-m-S können erst nach erfolgter möglichst kurzfristiger Ursachenklärung festgelegt werden.

Zur Ursachenklärung schlagen wir vor:

 

  • Untersuchung der beaufschlagten Filter in einem externen Labor zur Bestimmung der Aktivitätsmenge und der Nuklidzusammensetzung.

 

  • Kontrolle des Grubenraumes der ELK Sa (insbesondere der Firste) durch z.B. Georadarmessungen oder andere geeignete Verfahren.

 

  • in Abhängigkeit der Ergebnisse der vorgenannten Untersuchung visuelle Kontrolle der ELK Sa mittels Kamerabefahrung über vorhandene Bohrungen incl. Beprobung der Kammeratmosphäre.

 

Die Durchführung der vorgenannten Maßnahmen (Filteruntersuchung und Kamerabefahrung incl. Beprobung) müsste durch eine entsprechende Anordnung der Endlagerüberwachung legitimiert werden.“

Ob und ggf. welche dieser Maßnahmen tatsächlich durchgeführt wurden, ist bisher der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Die jetzigen Ereignisse machen deutlich, dass die eingelagerten Stoffe in der Schachtanlage Asse II immer wieder neue unliebsame Überraschungen erzeugen. Eine Ursachenforschung ist daher ein zwingendes Gebot.

Der Betreiber steht in der Pflicht, die Öffentlichkeit über die Ursachen und mögliche weitere Risiken unverzüglich, umfassend und allgemeinverständlich zu informieren.

Wir fragen weiter:

Will der Betreiber endlich seiner Verantwortung gegenüber der Bevölkerung gerecht werden und unverzüglich über alle Unregelmäßigkeiten und mögliche Risiken sofort und uneingeschränkt informieren oder weiterhin Informationspolitik auf Sparflamme betreiben?

Welche fatalen Auswirkungen hätte eine „Informationspolitik auf Sparflamme“ bei Unregelmäßigkeiten und bei Freigabe- oder Grenzwertüberschreitungen während der Bergungsphase?

Um welchen meldepflichtigen Tatbestand handelt es sich beim Ereignis 001/2016. Informationen hierüber sind weder auf der Seite asse.bund.de noch auf der Seite des Niedersächsischen Umweltministeriums zu finden.

Die jetzigen Ereignisse machen deutlich, dass an der Schachtanlage Asse II eine Infrastruktur geschaffen werden sollte, die es ermöglicht, auf Unregelmäßigkeiten sofort zu reagieren. Das könnte z. B. ein vollständig ausgestattetes unabhängiges Messlabor vor Ort sein.

Sie machen aber auch deutlich, dass an der Schachtanlage Asse II ein 4-Augen-Prinzip notwendig ist. Diese Notwendigkeit besteht auch für die Katastrophenschutzplanung, siehe  . Wer zögerlich mit Informationen über Unregelmäßigkeiten und Risiken umgeht, bietet keine Gewähr dafür, dass er bei einer Katastrophengefahr in der gebotenen Schnelligkeit reagieren wird.

 

 

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