Kein weiter so bei „Zwischenlagern“ – Teil II

Unter der Überschrift „Zwischenlager für Atommüll –  Allein Neckarwestheim gilt als vorbildlich“ berichten die Stuttgarter Nachrichten über eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Nationalen Begleitgremiums über die Zwischenlager.

In diesem Artikel führen die Stuttgarter Nachrichten aus: „Forscher der TU Braunschweig haben errechnet, wie die Lagerhallen als „vollwertige mechanische Barriere“ ausgelegt werden könnten. „Gegenüber den heute geltenden Flugzeugabstürzen“ – so heißt es in der Studie – wären Wandstärken von 150 und 180 Zentimetern erforderlich. Das hat kein einziges Zwischenlager. Wollte man diesen Schutz zur Bedingung einer weiteren Genehmigung machen, müssten alle neu gebaut werden. Eine Ausnahme wäre das Zwischenlager Neckarwestheim, sagt das Öko-Institut, da dessen Tunnelbauweise an einem Steinbruch schon heute „einen besonderen Schutz vor Flugzeugabstürzen“ habe.“ 

Das Thema hatten wir schon 2013 in die Diskussion gebraucht. Im Juli 2015 haben wir es nochmal auf unserem Blog unter der Überschrift: Kein „weiter so“ bei „Zwischenlagern“ …  aufgegriffen. Dabei ging es um den Atommüll aus Karlsruhe, Jülich und anderswo, der in der Schachtanlage Asse II eingelagert ist und geborgen und zwangsläufig auch zwischengelagert werden muss.

Wörtlich heißt es in dem Artikel:

„5. Vorteile?

Das Konzept einer oberflächennahen untertätigen Lagerung in einem Tunnel oder Bunker würde offensichtliche Vorteile bieten.

Es bestünde u. a. eine zusätzliche Barriere, die einen zusätzlichen langfristigen Schutz gegen Flugzeugabstürze oder Angriffe mit panzerbrechenden Waffen böte.

Ein solches Zwischenlager wäre nur durch eine begrenzte Anzahl von Eingängen zugänglich. Der Schutz vor unberechtigtem Eindringen wäre wirkungsvoller zu gewährleisten als bei einem freistehenden und von allen Seiten zugänglichen „Zwischenlager“.

Die Freisetzung von Niedrigstrahlung könnte durch die zusätzliche geologische Barriere im Sinne der A-Regeln des Strahlenschutzes (z. B. Abstand, Abschirmung) reduziert werden.

Auch die Gefährdung durch die Bildung der „Neutronenwolke“ könnte reduziert werden. Deshalb ist die Möglichkeit vorurteilsfrei zu prüfen.“

Eigentlich könnten wir die jetzt erschienene Studie als späte Bestätigung unserer Forderung ansehen.

Wenn nicht aufgezeigt werden müsste, wie der damalige Betreiber mit der Aufforderung zu einer „vorurteilsfreien Prüfung“ umgegangen ist.

In der Ausgabe 23 der Asse-Einblick vom Dezember 2013 heißt es u. a.:

„Eleonore Bischoff von der Wolfenbütteler Atomausstiegsgruppe hat noch einen weiteren Vorschlag. Auf der Bürgerver-sammlung in Schöppenstedt plädierte sie für die Lagerung in Tunneln, die die Nationalsozialisten im Dritten Reich anlegten.“

Richtig ist, dass Lagerung in Tunneln oder Bunkern z. B. in alten Militäranlagen angesprochen wurde. Wir haben jedoch bewusst nie einen konkreten Standort genannt.

Der ehemalige Betreiber sucht sich aber offensichtlich ebenso bewusst einen konkreten Standort aus: Die KZ Gedenkstätte Mittelbau Dora und holt sich die Stellungnahme des Leiters der Gedenkstelle ab:

„Ich halte eine solche Nutzung von Anlagen, in denen bis 1945 KZ-Häftlinge gefangen gehalten wurden und viele dabei umgekommen sind, für ethisch nicht tragbar.“

Statt vorurteilsfrei zu prüfen, hat der damalige Betreiber, das BfS,  versucht Vorurteile zu schüren – und zwar gegen die Verfasser des Vorschlages.

Es ist nicht der einzige Fall, in dem das BfS die sachliche Prüfung von externen Vorschlägen verweigert, und statt dessen auf eine Öffentlichkeitsarbeit gesetzt hat, die die Grenze zur Propaganda überschritten hat.

Wenn dann der für die damalige Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Präsident des BfS, Wolfram König, auch noch eine Stufe höher fällt und zum Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit ernannt wird, ist vorprogrammiert, dass die Arbeit dieser Behörde von vornherein mit Misstrauen betrachtet wird. Seine Pressesprecherin aus BfS-Zeiten hat er übrigens in die neue Behörde mitgenommen.

Chance für den neuen Betreiber

Der neue Betreiber hat die Möglichkeit aus den Versäumnissen des bisherigen Betreibers zu lernen und bei der Zwischenlagerfrage die Möglichkeit einer Tunnel- oder Bunkerlagerung ernsthaft zu prüfen.

 

Artikel der Stuttgarter Nachrichten – hier

Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Nationalen Begleitgremiums verwiesen – zum Download

 

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