Einlagerung aus dem Forschungszentrum Jülich – Spurensuche

An der Asse wird seit Jahren über darüber spekuliert, wodurch das hohe Tritiumaufkommen verursacht wird.

Zum 51. Jahrestag des Beginns der Einlagerung von radioaktiven und chemotechnischen Müll in der Schachtanlage Asse hat die WAAG ein Schreiben des Whistleblowers Dr. Rainer Moormann aufgegriffen.

Am 11.1.2012 hat Dr. Rainer Moormann in  einem Brief eine Reihe – um es vorsichtig auszudrücken – Ungereimtheiten im Zusammenhang mit Einlagerungen aus Jülich in der Asse dargelegt.

Herr Dr. Moormann verweist in seinem Schreiben darauf, dass es auf dem Campus des Forschungszentrums Jülich bereits vor der Einlagerung der AVR-Brennelemente- und Moderatoren-Kugeln in der Asse ein Tritiumlabor gab.  Dieses Labor  wurde zwar nicht unmittelbar vom Forschungszentrum Jülich betrieben, aber es habe einen regen Austausch zwischen dem Betreiber des Tritiumlabors (das u. a. vom Land NRW gefördert wurde) und dem Forschungszentrum gegeben.

Dem Schreiben sind zwei Anlagen beigefügt, durch die nachgewiesen wird, dass in Jülich die radioaktiven Belastungen der AVR-Grafitkugeln schon in den Jahren 1973 und 1974 und damit vor Beginn der Einlagerungen in der Schachtanlage Asse II bekannt waren.

Das Forschungszentrum Jülich hat noch bis in die 2000er-Jahre behauptet, dass in den 1970er-Jahren die Tritium und Kohlenstoff 14-Belastungen nicht messbar gewesen wären und man die Brennelemente-Kugeln in guten Glauben in der Asse abgeliefert habe.

Diese Angaben über das abgegebene Tritium- und Kohlenstoff 14-Inventar wurden erst 2010 korrigiert. Dabei hat sich wie von Zauberhand das Tritiuminventar verzehnfacht. Um die Bedeutung bildlich darzustellen:

Wenn man davon ausgeht, dass zum Ende der Einlagerung des Atommülls aus Jülich 1978 knapp 56 Tera-Becquerel  eingelagert wurden hat sich Tritiuminventar bei einer Halbwertzeit von rund 12 Jahren bis 1990 auf 28 Tera-Becquerel, bis 2002 auf 14 Tera-Becquerel und bis 2014 immer noch 7 Tera-Becquerel vorhanden sind.

Im Vergleich dazu: während der Einlagerung wurde das Tritium mit einem Wert von 4,4 Tera-Becquerel angegeben. Heute – 40 Jahre nach Ende der Einlagerung – muss davon ausgegangen werden, dass immer noch in etwa das Tritiuminventar vorhanden ist, das bei der Einlagerung „angemeldet“ worden ist.

Damit nicht genug: Es ist spätestens seit 2008 bekannt, dass in der Schachtanlage Asse II auch bestrahlte Brennelementekugeln eingelagert wurden. Über den Zustand dieser Kugeln wird gerätselt.

Mittlerweile liegt uns hierzu eine Aussage mit dem folgenden Inhalt vor:

„Ganz wichtig scheint mir zu sein, …, dass der genaue Inhalt der beiden Fässer mit in Forschungsreaktoren bestrahlten Kugelbrennelementen vom FZJ bekannt gegeben wird (die Existenz dieser Fässer wurde von FZJ 2008 eingeräumt). Vor 45 Jahren hat man nämlich häufig in Forschungsreaktoren zerstörend bestrahlt (zeitraffend) und wenn solche Kugeln da drin wären, könnte das bei Wasserzutritt übel werden. Bestrahlungen sind extrem teuer und jede bestrahlte Kugel hatte eine eigene Nummer und eine umfangreiche Akte.“

Wenn diese Angaben bekannt gemacht worden wären, hätte das Rätseln längst ein Ende.

Die Akten liegen nach unseren Informationen entweder direkt beim FZJ oder bei  der JEN (Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen) vor.

Bisher wird die Bereitschaft des FZJ oder JEN  zur Veröffentlichung dieser Unterlagen als gering eingeschätzt.

Damit kommen wir zur nächsten Auffälligkeit:

Mitglied im Aufsichtsrat der JEN ist Gerald Hennenhoefer. Im Wikipedia-Eintrag wird Hennenhoefer u. a. damit charaktesiert:

„Vertuschungsvorwürfe zum Atommülllager Asse

Hennenhöfer wird vorgeworfen, während seiner Zeit bei der Anwaltssozietät Redeker der Betreiberfirma der Asse II geraten zu haben, die Zustände in dem maroden Atommülllager gegenüber der Bevölkerung und dem niedersächsischen Landtag zu vertuschen. So schrieb er in einem Dokument das der Frankfurter Rundschau vorlag:[25]

„Es ist überhaupt nichts davon zu halten, die Asse-Begleitgruppe fortlaufend zu unterrichten.“

Die Asse-Begleitgruppe war gegründet worden, um die Bürger in der Region über die Gefahren und Pläne zur Asse-Sanierung zu informieren und in die weiteren Planungen mit einzubeziehen.“

Die Frankfurter Rundschau berichtete hierüber am 1.12.2009 unter der Überschrift: „Den Bock zum Gärtner gemacht„.

Nach unserer ersten Recherche wurden von der JEN keine Unterlagen an den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Niedersachsen abgeliefert.

(k)ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Doch zurück zum Brief des Herrn Dr. Rainer Moormann: 

Diese Brief ist angesichts der vielfach noch unsicheren Informationslage zur Einlagerungen von Atommüll in der Schachtanlage Asse II noch heute aktuell.

Eine unsichere Informationslage über die Einlagerung kann früher oder später zu unkalkulierbaren Risiken für „Region“ führen. Dabei wird es zu allererst die Menschen betreffen, die in der Schachtanlage Asse II arbeiten und darüber hinaus eine nicht übersehbare Anzahl von Menschen im Umland.

Wir haben den Betreiber der Schachtanlage Asse II gebeten, Herrn Dr. Moormann zur geplanten Veranstaltung „betrifft: Asse“ zum Thema Inventar einzuladen.

Falls sich der Betreiber nicht dazu bereit erklären sollte, Herrn Dr. Moormann einzuladen, werden wir eine Informationsveranstaltung mit Herrn Dr. Moormann organisieren.

Fakten gehören auf Tisch und nicht in die Hinterzimmer! 

In diesem Sinne auch die folgenden Links:

zum Brief des Herrn Dr. Rainer Moormann

Auf Seite 2 wird auf zwei Anlagen verwiesen. Diese Anlagen finden Sie hier:

AVR – C 14

AVR – Tritium

 

(überarbeitete Version vom 4.4.2018 – 21.30 h)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.