Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen zu aktuellen Vorgängen:

  1. Mehr Transparenz bei Asse II !

Als vor 10 Jahren die skandalösen Vorgänge in der Asse nach und nach ans Licht kamen, wurde mehr Transparenz versprochen. Doch immer noch ist mangelnde Transparenz ein Problem in Bezug auf den Salzstock Asse II und die Rückholung des Atommülls aus der Schachtanlage – trotz aller Öffentlichkeitsarbeit des Betreibers.

  1. 1. Umgebungsüberwachung ist mehr als Datenerhebung!

Aus der Schachtanlage Asse II treten erhebliche Mengen von Radionukliden aus, vor allem als radioaktiver Kohlenstoff und radioaktiver Wasserstoff (Tritium), aber auch Radon. Zur Umgebungsüberwachung muss gefragt werden: Wie werden die gegenwärtigen und vergangenen radioaktiven Freisetzungen aus Asse II und deren Anreicherungen in der Umgebung gemessen? Wie werden die Ergebnisse der Umgebungsüberwachung kontrolliert, bewertet und veröffentlicht? Hier liegt einiges im Argen.

Umgebungsüberwachung ist mehr, als die Erhebung von Daten: Daten müssen vollständig sein, sie müssen bewertet werden, Ihre Qualität muss gesichert sein.

Es fehlen Messungen der Anreicherungen von Radionukliden in biologischen Sammlern, zum Beispiel in Baumscheiben, in Zähnen von Wildtieren, in Flechten und in den beiden Teichen in direkter Nachbarschaft zum Schacht Asse II.

Alle Messungen zur Umgebungsüberwachung müssen auch von einer unabhängigen Stelle durchgeführt, ausgewertet, bewertet und transparent in die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Es werden klare Zuständigkeiten mit verantwortlichen Ansprechpartnern benötigt.

Hintergrund dieser Beanstandungen sind die Fehlerfeststellungen bezüglich der Umgebungsüberwachung, mitgeteilt von Dr. Rainer Gellermann in einem Schreiben vom 6.11.2018. Auf die Nachfragen einer Bürgerinitiative hin wurde die Verantwortlichkeit für die Umgebungsüberwachung im Zuständigkeitsbereich der Wasserbehörde zwischen dem Landkreis Wolfenbüttel (Untere Wasserbehörde) und dem Niedersächsischen Umweltministerium (als oberste Wasserhörde) hin- und hergeschoben.

  1. 2. Wissensbestände zu Asse II offen legen!

Unzählige Akten existieren zu Asse II. Doch wie werden die Unterlagen so aufbereitet und öffentlich gemacht, dass alle Informationen für interessierte Bürgerinnen und Bürger zugänglich sind – und die Suche nach bestimmten Informationen nicht einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleicht?

Hier muss festgestellt werden: Das Desaster um den Schacht Asse II ist während der Verantwortung des Forschungsministeriums des Bundes (BMBF) für die Schachtanlage Asse II angerichtet worden. Der Asse II Koordinationskreis (A2K) sieht daher eine bleibende Verantwortlichkeit im Bereich des Bundes.

Mit der Übergabe der Verantwortung für Asse II vom Forschungsministerium des Bundes (BMBF) an das Umweltministerium des Bundes (BMU) hat das BMU auch die Pflicht, die Aufarbeitung der Asse II-Akten und ein Analyseprogramm zu finanzieren.

Die Öffentlichkeit muss eine einfache Zugangsmöglichkeit zu den Akten und zu den darin enthaltenen Informationen bekommen.

Der umfassende und einfache Zugang zu Informationen ist eine Grundlage für Meinungsbildung und demokratische Teilhabe.

Die Verantwortlichkeit für die Aufarbeitung der Datenbestände und der Analysesoftware sowie für die Pflege, Vervollständigung und Sicherung aller Datenbestände muss weiterhin im politischen Raum auf der Ebene der Bundesministerien bleiben. Sie darf nicht an eine privatwirtschaftliche Gesellschaft ausgelagert werden. Insbesondere verbietet sich die Auslagerung an eine Institution, die Endlager betreibt oder beaufsichtigt oder die Endlagersuche durchführt. Hier sind zum Beispiel beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) und bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Interessenskonflikte vorprogrammiert; das trifft auch auf die Bundesämter zu.

Fragwürdig ist auch, dass das bisher für die Auswertung der Akten zuständige IWW in Goslar zum Helmholtz Zentrum München gehört – das bis 2008 für den Betrieb der Schachtanlage Asse II zuständig war und dem also Mitverantwortung für Vorkommnisse in Asse II zugeschrieben werden muss.

Der Asse II-Koordinationskreis fordert daher, dass die Daten der Öffentlichkeit mittels einer Analysesoftware leicht und vollständig in der Verantwortung des Bundes zugänglich gemacht werden.  

  1. 3. Wissenschaftliche Begleitung der Rückholung ausbauen – nicht einschränken

Unabhängige Wissenschaftler arbeiten seit 10 Jahren dem Asse II-Begleitprozess in bedeutsamen Themen zu, die die Rückholung des Atommülls betreffen.

Angesichts des Auslaufens der Verträge der gegenwärtig engagierten Wissenschaftler im März 2019 ist die Frage: Wer bestimmt, welche Fachrichtungen künftig vertreten sind und wie werden die Wissenschaftler ausgewählt?

In dem, was am 09.11.2018 in Wolfenbüttel als künftig zu besetzende Kompetenzfelder der Wissenschaftler öffentlich genannt wurde, fehlten die Fachbereiche „Anlagenplanung“ und „Maschinenbau“. Auch „Hydrogeologie“ wurde als solche nicht explizit genannt, obwohl diese beim Schacht Asse II durch den Laugenzufluss in das Grubengebäude ein unverzichtbarer Fachbereich ist.

Damit wären Fachbereiche, die für die Rückholung wesentlich sind, nicht berücksichtigt.

Es entsteht der Eindruck, dass die Neuausrichtung der Wissenschaftlergruppe im stillen Kämmerlein von Politik und Verwaltung getroffen wurde. Der A2K ist hierüber höchst irritiert und vermisst eine Information der Öffentlichkeit einschließlich einer Begründung für diese Neuausrichtung der Wissenschaftlergruppe „Arbeitsgruppe Option Rückholung“ (AGO).

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