A2K: Zur bevorstehenden Diskussion um Konditionierung und Zwischenlagerung: Kein Atommüll an Wohngebiete!

Die Lagerung und Verarbeitung von Atommüll dürfen nicht in der Nähe von Wohngebieten geschehen. Die Belastungen im Normalbetrieb und die zusätzlichen nicht absehbaren Belastungen bei einem Störfall schließen dies aus. „Der Schutz gegenwärtiger und kommender Generationen vor Radioaktivität muss Vorrang haben vor einer scheinbaren Vereinfachung von Verwaltungsverfahren. Wir weisen alle Versuche des Betreibers von Asse II und anderer Beteiligter zurück, den scheinbar einfachsten Weg zum Umgang mit dem Atommüll zu wählen“, erläutert Heike Wiegel.


Häufig wird von ‚Asse-Müll‘ gesprochen, um daraus eine Verantwortung der Bevölkerung der Region um die Asse für den Müll abzuleiten. „Das ist kein ‚Asse-Müll‘, denn er stammt aus den Atomforschungsanlagen in Karlsruhe und Jülich sowie aus anderen Atomanlagen West­deutschlands. Die Bundesregierung ist Eigentümerin der Schachtanlage samt eingelagerten Müll und trägt die Verantwortung dafür, denn Eigentum verpflichtet bekanntlich“, ergänzt Eleonore Bischoff.


Schon 1964 war es ein Fehler, die Schachtanlage Asse II für geeignet zu erklären, obwohl man von Wasserzuläufen aus dem Deckgebirge wusste. Damals kamen die beteiligten Wissenschaft­ler aus Karlsruhe und Bonn nicht ihrer Verantwortung nach, vor den drohenden Gefahren zu warnen. Sie trugen vielmehr zur Legitimierung einer politischen Vorentscheidung bei.


„Die Ausblendung von Gefahren und Belastungen darf sich bei der Entscheidung über die Standorte von Anlagen, die mit der Rückholung und weiteren Verwahrung des Atommülls aus der Schachtanlage Asse II im Zusammenhang stehen nicht wiederholen“, mahnt Andreas Riekeberg, aus den früheren Fehlern im Zusammenhang mit Asse II zu lernen.

In seinen 27 Grundsatzforderungen vom 22.05.2018 hat der Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen gegen die Flutung von Asse II folgende Punkte formuliert:

Was ist Sachstand an der Asse und wer ist verantwortlich?

„Der radioaktive und chemo-toxische Müll in der Schachtanlage Asse II ist ein gesamtgesellschaftliches Problem der Bundesrepublik Deutschland und nicht nur der betrogenen Region um die Asse.


Die institutionelle Verantwortung für die gescheiterte Einlagerung trägt die Bundesrepublik Deutschland. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland für alle Folgen, für die Vermeidung aller damit verbundenen Gefahren und für die Beseitigung aller Schäden – auch folgenden Generationen gegenüber.


Freisetzungen von Radionukliden wie z.B. Tritium und Kohlenstoff-14 erfolgen ständig! Die Strahlenbelastung der Anwohnerinnen und Anwohner ist seit vielen Jahren an der Schachtanlage Asse II höher als an Atomkraftwerken.“ (aus der Präambel der 27 Grundsatzforderungen).


Grundsatzforderungen zur Lagerung der rückgeholten Abfälle:
(Teil 3 der 27 Grundsatzforderungen des Asse II-Koordinationskreises)


(#16) Anlagenplanung: Trennung von Anlagen


„Wir fordern, dass die Planung von Anlagen zur Pufferlagerung, Konditionierung und Zwischenlagerung eine klare Trennung dieser Anlagen aufweist, damit die Möglichkeit einer räumlichen Trennung offen gehalten wird. Der Auswahlprozess dieser Anlagen muss in der Öffentlichkeit transparent und nachvollziehbar geführt werden.“


(#17) Standortsuche


„Wir fordern, dass bei der Standortsuche für ein Zwischenlager insbesondere bundeseigene Liegenschaften wie Bunker, Tunnel und ehemalige Truppenübungsplätze berücksichtigt werden. Zusätzlich soll Tunnelbau in neuer Bauweise wie in Neckarwestheim mit in den Vergleich einfließen, da diese Bauart gemäß einer Studie des Öko-Institut Darmstadt als relativ störfallsicher gilt.“


(#18) Standortvergleich


„Wir fordern einen fairen und nachvollziehbaren Vergleich von Zwischenlagerstandorten für den Atommüll aus Asse II, weil der Atommüll in einem solchen Zwischenlager für einen nicht absehbaren Zeitraum verbleiben wird. Aus Sicherheitsgründen – insbesondere für Störfälle – müssen bei dem Standortvergleich auch Abstände von mindestens 4 km zwischen dem Zwischenlager und der Wohnbebauung berücksichtigt werden.“


(#19) Transportverpackung unter Tage


„Wir fordern, dass die Möglichkeit einer Transportverpackung unter Tage für den Transport über öffentliche Verkehrswege wie Bahn oder Straße zu Anlagen zur Pufferlagerung, Konditionierung und Zwischenlagerung außerhalb des Betriebsgeländes der Schachtanlage Asse II in die Planung des Betreibers von Asse II einbezogen wird.“


(#20) Dauerbelastung durch Konditionierungsanlage vermeiden


„Wir fordern, dass die Planung des Betreibers von Asse II die Konditionierung an einem asse-fernen Standort einschließt. Dabei sollte aus Sicherheitsgründen und zur Minimierung der Dauerbelastungen der Anwohnerinnen und Anwohner ein deutlich größerer Abstand zur Wohnbebauung vorgesehen werden als es an der Schachtanlage Asse II möglich ist.“
Sollten die BGE als Betreiber von Asse II und die Bundesministerien keine Konsequenzen aus dem damaligen leichtfertigen Umgang mit Risiken bei der Lagerung von Atommüll ziehen, können sie auch heute keine Glaubwürdigkeit bei der Einschätzung von Risiken im Rahmen der Endlagersuche gewinnen.

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