Wasserzulauf in Asse II vor Atommüll-Einlagerung bekannt

In den letzten Wochen wurde in Asse II ein deutlich erhöhter Laugenzufluss festgestellt, wie die bundeseigene Betreibergesellschaft BGE meldete (http://t1p.de/asselauge2019).

Bislang war man offiziell davon ausgegangen, dass erst seit 1988 – zehn Jahre nach Ende der Einlagerung von Atommüll – Lauge in die Schachtanlage Asse II zutritt. Doch die Analyse eines Befahrungsprotokolls ergibt: schon 1964 wusste man, dass täglich drei Kubikmeter Wasser eindringen. Also bevor am 4. April 1967 das erste Atommüllfass nach unten gebracht wurde.

Am 29. Januar 1964, heute vor 55 Jahren, besichtigten Vertreter des Forschungsministeriums, der Gesellschaft für Kernforschung Karlsruhe (GfK) und des damaligen Eigentümers die Schachtanlage Asse II, um die Eignung zur Atommüll-Deponierung festzustellen. Es wurde notiert, dass pro Minute ca. zwei Liter Wasser durch den Schacht hineinlaufen (Seite 3). Das sind etwa drei Kubikmeter pro Tag. Man könne den Wasserzulauf eindämmen, sorgte sich aber nicht um den weiteren Verbleib dieses Wassers. 

Auch weitere Formulierungen lassen nur den Schluss zu, dass es allein darum ging, die kostengünstige Einlagerung von Atommüll zu rechtfertigen, nicht aber um eine wissenschaftlich fundierte Beurteilung der Eignung des Salzbergwerks Asse II für Atommüll-Endlagerung. So heißt es: „Positiv zu werten ist vor allem der Preis, der … auf 600.000,– DM beziffert wurde.“ (Seite 4)

Forschungsministerium lies wider besseres Wissen einlagern

Im Forschungsministerium hätten angesichts dieser Beurteilung schon im Frühjahr 1964 (verfasst wurde das Protokoll am 3. März 1964) alle Alarmglocken schrillen emüssen. Stattdessen ließ man die Umrüstung der Schachtanlage Asse II geschehen und durch die Münchner GSF in fast 12 Jahren 50.000 Kubikmeter Atommüll einlagern. Vermutlich immer mit der Angst im Nacken, noch während des Einlagerungsbetriebes könnte sich die Wassermenge den Weg in das Bergwerk hinein suchen, denn tausend Kubikmeter pro Jahr mussten ja irgendwo bleiben. Am Silvestertag des Jahre 1978 wurde der letzte Atommüll in Asse II abgekippt.

Sollten die BGE als Betreiber von Asse II und die Bundesministerien keine Konsequenzen aus dem damaligen leichtfertigen Umgang mit Risiken bei der Lagerung von Atommüll ziehen, können sie auch heute keine Glaubwürdigkeit bei der Einschätzung von Risiken im Rahmen der Endlagersuche gewinnen.

Wir fordern für die Schachtanlage Asse II und für alle Atommüll-Projekte:

1. Wissenschaftliche Expertise muss angefordert und erstellt werden, um Vorhaben kritisch zu prüfen und nicht um politische Vorentscheidungen lediglich zu legitimieren.

2. Genehmigungsbehörden dürfen nicht über kritische Stellungnahmen von Wissenschaftler*innen und Bürger*innen hinweggehen, sondern müssen diese beachten und in den Genehmigungsunterlagen nachvollziehbar bewerten. Der Gerichtsweg zur Überprüfung der Entscheidungen muss allen offenstehen.

3. Akten zu Atommüll-Angelegenheiten müssen für die Öffentlichkeit leicht zugänglich sein; heutige und kommende Generationen müssen auf unbegrenzte Zeit einen Zugang zu originalen und digitalisierten Akten haben und auch zu Analysesoftware, um diese auszuwerten.

zum Protokoll der Begehung

Laugenmanagement seit 1988

Pressemeldung als pdf-Datei

Ergänzende Stellungnahme von Andreas Riekeberg – Mitglied des A2K:

Liebe Asse-Interessierte,

über die Auswertung des Befahrungsprotokolls vom 29.01.1964 haben kurz der NDR und recht ausführlich die Madsack-Mediengruppe (http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Atommuell-Behoerden-wussten-1964-von-Wasser-in-der-Asse) berichtet.

Vermutlich anlässlich dessen hat die BGE eine Stellungnahme veröffentlicht: https://www.bge.de/de/aktuelles/meldungen-und-pressemitteilungen/meldung/news/2019/1/295-schachtanlage-asse-ii/

Darin stellt die BGE die Behauptung auf: „Ein Zusammenhang mit den Zutrittswässern in der Schachtanlage Asse II besteht nicht.“ Für diesen Ausschluss eines Zusammenhanges führt sie leider keine Argumente an, er wird nur behauptet. Es sei denn, man würde als Argument die eher willkürliche Definition des Zutrittes bei 137 m als „betriebliche Lösung“ gelten lassen.

Diese Definition passt nicht zur Klassifizierung der Lösung als als „Deckgebirgslösung“ durch den ehemaligen Betreiber GSF. In einer Dokumentation hat im Jahr 2003 der damalige Betreiber der Schachtanlage Asse II eine „Zusammenstellung und Bewertung der vor 1988 im Grubengebäude der Schachtanlage Asse II aufgetretenen Salzlösungen und Gase“ vorgelegt. (Quelle: https://www.asse.bund.de/SharedDocs/Downloads/Asse/DE/IP/historische-dokumente/stilllegungskonzept-hmgu/07-salz-gas-vor-1988.pdf?__blob=publicationFile&v=2)

Dort heißt es auf Seite 9 zum Zutritt bei 137 m Teufe: „Im Februar 1956 wurden in rd. 137 m Teufe Risse im Tübbingausbau festgestellt [3], die sich in den nächsten Jahren verlängerten und einen Zufluss von ca. 3 l/min hatten. Beobachtungen zufolge hat nach 1959 keine weitere Ausweitung dieser Risse stattgefunden. Die GSF veranlasste 1966, dass der Tübbingteil des Schachtes 2 gereinigt und entrostet wurde, um eventuelle weitere Schäden freizulegen. Bei diesen Reinigungsarbeiten wurden weitere Risse in unterschiedlicher Teufe festgestellt. Einige davon ergaben geringe Lösungszuflüsse. Aus Tabelle 2 können die einzelnen Zutrittsstellen aus den Rissen in den Tübbingsegmenten mit den Zuflussmengen sowie den Teufenangaben entnommen werden. Nach [13] handelt es sich bei den zutretenden Lösungen um Süßwässer, die aus relativ oberflächennahen, gering bzw. nicht salinar beeinflussten Horizonten (evtl. verstürzter  Unterer Buntsandstein) gespeist wurden [26]. Anhand der in Kap. 1 formulierten Definitionen handelt es sich bei diesen Zutritten um Deckgebirgslösungen.“

Zur Unterscheidung von Deckgebirgslösungen und Betriebslösungen schrieb die GSF auf Seite 7 der o.g. Studie: „Die auftretenden Lösungen lassen sich nach Deckgebirgslösungen, Metamorphoselösungen und Betriebslösungen unterteilen [26]. Deckgebirgslösungen entstammen einem offenem System und haben Verbindung mit den Grundwasserleitern des Deckgebirges. Die Zuflussraten werden zum einen durch das Grundwasserdargebot und zum anderen durch ggf. zuflussbegrenzende Engstellen im Zuflusssystem kontrolliert. Aufgrund ihres Restlösevermögens gegenüber Salzgesteinen sind Deckgebirgslösungen sowohl für die Betriebssicherheit als auch für den Nachweis der Langzeitsicherheit kritisch zu bewerten.“

Die „Betriebslösungen“ definierte die GSF folgendermaßen: „Bei den Betriebslösungen handelt es sich um MgCl2-führende Lösungen, die im Rahmen der betrieblichen Maßnahmen im Bergwerk entstehen. Die Herkunft dieser Lösungen ist anthropogen und stets bekannt. Es können Versatzlösungen, Wetterlösungen sowie Schachtropfwässer unterschieden werden. Betriebslösungen sind unkritisch für die Betriebssicherheit und den Nachweis der Langzeitsicherheit, da es sich um begrenzte Mengen bekannter, anthropogener Herkunft handelt.“

Die Frage erhebt sich:

Warum bezeichnet die BGE diese Lösungen, die noch im Jahr 2003 klar als Deckgebirgslösungen galten, nun als „betriebliche Lösungen“? Die Herkunft dieser Lösungen ist nicht bekannt, sie sind nicht bei betrieblichen Maßnahmen im Bergwerk entstanden und werden nicht wie betriebliche Lösungen „aufgefangen, abgepumpt, verwertet oder entsorgt.“

Vielmehr:

Wenn man annehmen muss, dass bei 137 m über einige Jahre relativ gleichmäßig große Lösungsmengen eingetreten sind, dann scheint doch eine zuflussbegrenzende Engstelle oberhalb von 137 m Teufe (gleich 55 m über N.N.) zu liegen. Die nach 1968/69 nicht mehr hier bei 137 m Teufe eintretenden Wässer müssen irgendwo geblieben sein, sollte man annehmen. Es war ein grober Fehler des damaligen Betreibers, den Zufluss abzudichten und zu meinen, damit sei das Problem behoben – es wurde nur verschoben.

20 Jahre später (ab 1988) gibt es etwa 400 m – 500 m weiter unten einen Lösungszutritt, der Anfang der 1990er Jahre in Höhe von etwa 3 m³/Tag aufgefangen wird. Könnte nicht die gleich Engstelle, die den Zufluss bei 137 m begrenzte, auch für die vorläufige Begrenzung des späteren Zuflusses ab 1988 verantwortlich gewesen sein? Beweisen ließe sich diese Hypothese wohl nur dann, wenn man die genauen Fließwege der Lösungszutritte erkunden könnte.

Doch für die von der BGE aufgestellte Behauptung, einen Zusammenhang ausschließen zu können, fehlt eine stichhaltige Begrünung. Zudem wird nicht klar, was die BGE zu dieser Behauptung veranlasst.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Riekeberg

P.S.: Tabelle 1 auf Seite 30 der GSF-Zusammenstellung von 2003 nennt sogar zwei wesentliche Zuflüsse im Schacht: 3,0 l/min bei 136-139 m Teufe und 2,2 l/min bei 173-176 m Teufe (entspricht 4,3 m³/Tag bzw. 3,2 m³/Tag). Hier könnte eine der Quellen für die Erhöhung des Laugenzutritts in die Schachtanlage Asse II im späteren Verlauf auf lange Zeit 12 m³/Tag liegen.

P.P.S.: Wer sich näher mit der Materie beschäftigen möchte, findet hier eine Unterlage über die Lösungszutritte nach 1988: https://www.asse.bund.de/SharedDocs/Downloads/Asse/DE/IP/historische-dokumente/stilllegungskonzept-hmgu/08-salz-gas-nach-1988.pdf?__blob=publicationFile&v=2

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94. Mahnwache am Montag, den 7.1.19

Am kommenden Montag, den 7.1.19 findet ab 18 Uhr die monatliche Mahnwache zu Asse II & Co vor Seeliger, Lange Herzogstr. 63 in Wolfenbüttel statt.

Es wird über das bisherige Ergebnis der Anfrage zur Ausschreibung der vom Bundesumweltministerium finanzierten Fachleute des Asse II-Begleitprozesses berichtet. Die Anfrage erfolgte aufgrund der Diskussion auf der letzten Mahnwache.

Außerdem gibt es einen Ausblick auf die Themen des Jahres 2019 rund um Asse II – welche Arbeiten wurden vom neuen Betreiber angekündigt, welche können/müssen parallel laufen und was hat der Landkreis bisher zum Thema Umgebungsüberwachung gemacht?

Auch über andere niedersächsische Atomstandorte wird berichtet. Dazu gehören nicht nur Eckert & Ziegler in Braunschweig-Thune und die Brennelementefabrik in Lingen, sondern auch Standorte, die nicht mit radioaktiven Abfällen in Verbindung gebracht werden. Die Wolfenbütteler AtomAusstiegsGruppe (WAAG) lädt alle Interessierten ein, sich zu informieren

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Geldmaschine Asse II

1965 wurde die Schachtanlage Asse II, deren Salzvorkommen ausgebeutet war, von der Firma Wintershall (einer Vergängerfirma von Kali-und Salz) für 700.000 DM an den Bund verkauft.  Wintershall profitierte nicht nur vom Kaufpreis. Zusätzlich wurden die Kosten für die Verfüllung des Bergwerks eingespart.

In der Folge wurden Forschungsaufträge, z. B. für den Verschluss von Schächten, an Kali- und Salz vergeben. Das Volumen wird auf 2 Milliarden Euro geschätzt. 

In den Jahren 1995 bis 2003 erfolgte die Lieferungen von Salz zur Verfüllung der oberen Sohlen. Dafür wurde das Salz der Halde Ronnenberg bei Hannover benutzt. Inhaber der Halde ist Kali- und Salz.

Abgepumpte Lauge aus der Schachtanlage Asse II wurde zur Flutung von stillgelegten Bergwerken genutzt. Sowohl der Schacht Mariaglück bei Celle als auch der aktuell benutzte Schacht Friedrichshall/Hugo in Sehnde bei Hannover sind im Besitz von Kali und Salz. Kali und Salz lässt sich die Annahme der aufgefangenen Laufe aus der Schachtanlage Asse „fürstlich“ vergüten. Für die Ablieferung an Mariaglück wird ein Betrag von 700.000 Euro geschätzt.

Und noch in einem weiteren Vorhaben steht Kali und Salz vor der Tür. Auf die Lieferung von Magnesiumchlorid, das nach der aktuellen Notfallplanung zur Flutung genutzt werden soll, ist Kali und Salz spezialisiert. 

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Asse II „Geh‘ denken!“

Neujahrsspaziergang vor Ort

Auch dieses Jahr findet wieder der traditionelle „Neujahrsspaziergang vor Ort“ statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr vor der Schachtanlage Asse II, Am Walde 2 in Remlingen.

Es ist ein besonderer Tag – 40 Jahre vorher endete die Einlagerung von radioaktivem und chemotoxischen Müll in die Schachtanlage Asse II, da sonst das gesetzliche Planfeststellungsverfahren notwendig geworden wäre. Bis zum 31.12.1978 wurde deshalb noch sämtlicher – nicht offensichtlich hoch radioaktiver Müll – eingelagert.

Der Radioökologe, Dr. Rainer Gellermann, der sich auf Bitten der Wolfenbütteler AtomAusstiegsGruppe seit Januar 2017 die Daten der Umgebungsüberwachung angesehen hat, wird über seine Feststellungen der mangelnden Qualitätskontrolle und über die angegebenen hohen Blei-Werte berichten.

Außerdem wird berichtet, was in den vier Jahrzehnte seit Ende der Einlagerung passiert ist und wer einer der – in der Öffentlichkeit bisher kaum als solcher wahrgenommener – Gewinner der Einlagerung und deren Folgen ist.

Klar ist, dass sich auch hier der Spruch der Schweizer „Kernfrauen“ bewahrheitet: „Die Ewigkeitslast Atommüll verzeiht weder Fehlentscheide, Experimente noch Scheinlösungen.“ Deshalb bedarf es der Aufmerksamkeit der BürgerInnen und Bürger. Die Wolfenbütteler AtomAussteigsGruppe lädt alle Interessierten herzlich ein, sich am Neujahrstag zu informieren, Informationen einzubringen und sich auszutauschen, kurz: „Geh‘ denken!“

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Bundesgesellschaft für Zwischenlager schreibt Versicherung für Standortzwischenlager aus.

In den Standortzwischenlagern ist auch hochradioaktiver Atommüll gelagert. Im Falle des größten anzunehmenden Unfalls (z. B. Flugzeugabsturz) ist mit einer unübersehbarer Freisetzung von radioaktiver Strahlung zu rechnen. Die Folge wären u. a. großflächige Evakurierungen. 

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlager hat eine Ausschreibung für eine Versicherung der 11 Standortzwischenlager vorgenommen. Die Versicherungssumme beträgt je Zwischenlagerstandort 350 Millionen Eure.

Eine Versicherungssumme von 350 Mio. Euro erscheint und diesem Hintergrund als gering. 

zur Ausscheibungsübersicht

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Brand in der Brennelementefabrik in Lingen macht deutlich: Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen in der Nähe Wohngebieten, keine neuen Atomanlagen in der Nähe von Wohngebieten


Eindringen von Salzlaugen in die Schachtanlage Asse II, Auffinden von durchrosteten Fässern in Zwischenlagern und in der Landessammelstelle in Leese, Freisetzung von radioaktiver Strahlung bei Eckert und Ziegler in Braunschweig-Thune und nun der Brand in einer Brennelemente-Fabrik in Lingen zeigen auf, welche Risiken mit Atomanlagen aller Art verbunden sind. 


Sie zeigen aber auch auf, dass das Denken der Betreiber auf das „Herunterspielen“ von Risiken ausgerichtet ist. Dabei verwundert es nicht, dass der Betreiber der Brennelemente-Fabrik in Lingen erst behauptete, der Brand sei im nichtnuklearen Bereich entstanden. Erst vier Tage nach dem Brand gab der Betreiber auf Nachfrage des NDR zu, dass der Brand doch im nuklearen Bereich ausgebrochen sei. Wenn der Betreiber dies als Missverständnis abtut, dass auf die „vom Unternehmen verwendete Fachsprache“ zurückzuführen sei, lässt mehr als nur den Verdacht entstehen, dass die tatsächliche Gefahr der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollte.


Wer als Betreiber einer Anlage, als Aufsichtsbehörde und als Politiker tätig ist, steht in der Pflicht, ernsthaft und glaubwürdig den Schutz der Bevölkerung vor Risiken der Atomindustrie zu betreiben. Der Blick muss auf das „was hätte passieren können“ gerichtet sein. Ein Ausruhen darauf, dass „ja alles gut gegangen ist“ oder so dargestellt werden kann, ist verantwortungslos. 


Für Genehmigungsverfahren müssen die größtmöglichen Risiken der Maßstab sein. Daher müssen die Genehmigungen für bestehende Atomanlagen überprüft werden. Zukünftige Anlagen, wie die Anlagen, die mit der Bergung des Atommülls in der Schachtanlage Asse II notwendig werden, müssen an den gleichen Maßstäben gemessen werden. 


Eine Position, dass ein Zwischenlager an der Asse für die Bergung des Atommülls nahezu zwingend sei, wie es der ehemalige Präsident des BfS und Betreiber der Schachtanlage Asse II (Wolfram König) verkündet
 habe, ist nicht haltbar. 


Die aufgetretenen Pannen zeigen, dass das Vertrauen auf eine ausschließliche technisch hergestellte Sicherheit mit hohen Risiken behaftet ist. Eine hundertprozentige Sicherheit technischer Anlagen kann es nicht geben. Daher können bestehende und zukünftig notwendige Atomanlagen nicht unmittelbar in der Nähe von Wohngebieten und Schulen betrieben werden. 
Dies gilt auch für ein notwendiges Zwischenlager für den zu bergenden Atommüll aus der von Beginn an verantwortungslosen Einlagerung von Atommüll in der gebrauchte Schachtanlage Asse II. 


Die WAAG fordern verbindliche Mindestabstände von unvermeidlichen Atomanlagen von der Wohn- und zivilen Bebauung. Sie fordern die kommunalpolitischen Gremien auf, in diesem Sinne ihrer Verpflichtung für die Bevölkerung tätig zu werden. 

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Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen zu aktuellen Vorgängen:

  1. Mehr Transparenz bei Asse II !

Als vor 10 Jahren die skandalösen Vorgänge in der Asse nach und nach ans Licht kamen, wurde mehr Transparenz versprochen. Doch immer noch ist mangelnde Transparenz ein Problem in Bezug auf den Salzstock Asse II und die Rückholung des Atommülls aus der Schachtanlage – trotz aller Öffentlichkeitsarbeit des Betreibers.

  1. 1. Umgebungsüberwachung ist mehr als Datenerhebung!

Aus der Schachtanlage Asse II treten erhebliche Mengen von Radionukliden aus, vor allem als radioaktiver Kohlenstoff und radioaktiver Wasserstoff (Tritium), aber auch Radon. Zur Umgebungsüberwachung muss gefragt werden: Wie werden die gegenwärtigen und vergangenen radioaktiven Freisetzungen aus Asse II und deren Anreicherungen in der Umgebung gemessen? Wie werden die Ergebnisse der Umgebungsüberwachung kontrolliert, bewertet und veröffentlicht? Hier liegt einiges im Argen.

Umgebungsüberwachung ist mehr, als die Erhebung von Daten: Daten müssen vollständig sein, sie müssen bewertet werden, Ihre Qualität muss gesichert sein.

Es fehlen Messungen der Anreicherungen von Radionukliden in biologischen Sammlern, zum Beispiel in Baumscheiben, in Zähnen von Wildtieren, in Flechten und in den beiden Teichen in direkter Nachbarschaft zum Schacht Asse II.

Alle Messungen zur Umgebungsüberwachung müssen auch von einer unabhängigen Stelle durchgeführt, ausgewertet, bewertet und transparent in die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Es werden klare Zuständigkeiten mit verantwortlichen Ansprechpartnern benötigt.

Hintergrund dieser Beanstandungen sind die Fehlerfeststellungen bezüglich der Umgebungsüberwachung, mitgeteilt von Dr. Rainer Gellermann in einem Schreiben vom 6.11.2018. Auf die Nachfragen einer Bürgerinitiative hin wurde die Verantwortlichkeit für die Umgebungsüberwachung im Zuständigkeitsbereich der Wasserbehörde zwischen dem Landkreis Wolfenbüttel (Untere Wasserbehörde) und dem Niedersächsischen Umweltministerium (als oberste Wasserhörde) hin- und hergeschoben.

  1. 2. Wissensbestände zu Asse II offen legen!

Unzählige Akten existieren zu Asse II. Doch wie werden die Unterlagen so aufbereitet und öffentlich gemacht, dass alle Informationen für interessierte Bürgerinnen und Bürger zugänglich sind – und die Suche nach bestimmten Informationen nicht einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleicht?

Hier muss festgestellt werden: Das Desaster um den Schacht Asse II ist während der Verantwortung des Forschungsministeriums des Bundes (BMBF) für die Schachtanlage Asse II angerichtet worden. Der Asse II Koordinationskreis (A2K) sieht daher eine bleibende Verantwortlichkeit im Bereich des Bundes.

Mit der Übergabe der Verantwortung für Asse II vom Forschungsministerium des Bundes (BMBF) an das Umweltministerium des Bundes (BMU) hat das BMU auch die Pflicht, die Aufarbeitung der Asse II-Akten und ein Analyseprogramm zu finanzieren.

Die Öffentlichkeit muss eine einfache Zugangsmöglichkeit zu den Akten und zu den darin enthaltenen Informationen bekommen.

Der umfassende und einfache Zugang zu Informationen ist eine Grundlage für Meinungsbildung und demokratische Teilhabe.

Die Verantwortlichkeit für die Aufarbeitung der Datenbestände und der Analysesoftware sowie für die Pflege, Vervollständigung und Sicherung aller Datenbestände muss weiterhin im politischen Raum auf der Ebene der Bundesministerien bleiben. Sie darf nicht an eine privatwirtschaftliche Gesellschaft ausgelagert werden. Insbesondere verbietet sich die Auslagerung an eine Institution, die Endlager betreibt oder beaufsichtigt oder die Endlagersuche durchführt. Hier sind zum Beispiel beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) und bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Interessenskonflikte vorprogrammiert; das trifft auch auf die Bundesämter zu.

Fragwürdig ist auch, dass das bisher für die Auswertung der Akten zuständige IWW in Goslar zum Helmholtz Zentrum München gehört – das bis 2008 für den Betrieb der Schachtanlage Asse II zuständig war und dem also Mitverantwortung für Vorkommnisse in Asse II zugeschrieben werden muss.

Der Asse II-Koordinationskreis fordert daher, dass die Daten der Öffentlichkeit mittels einer Analysesoftware leicht und vollständig in der Verantwortung des Bundes zugänglich gemacht werden.  

  1. 3. Wissenschaftliche Begleitung der Rückholung ausbauen – nicht einschränken

Unabhängige Wissenschaftler arbeiten seit 10 Jahren dem Asse II-Begleitprozess in bedeutsamen Themen zu, die die Rückholung des Atommülls betreffen.

Angesichts des Auslaufens der Verträge der gegenwärtig engagierten Wissenschaftler im März 2019 ist die Frage: Wer bestimmt, welche Fachrichtungen künftig vertreten sind und wie werden die Wissenschaftler ausgewählt?

In dem, was am 09.11.2018 in Wolfenbüttel als künftig zu besetzende Kompetenzfelder der Wissenschaftler öffentlich genannt wurde, fehlten die Fachbereiche „Anlagenplanung“ und „Maschinenbau“. Auch „Hydrogeologie“ wurde als solche nicht explizit genannt, obwohl diese beim Schacht Asse II durch den Laugenzufluss in das Grubengebäude ein unverzichtbarer Fachbereich ist.

Damit wären Fachbereiche, die für die Rückholung wesentlich sind, nicht berücksichtigt.

Es entsteht der Eindruck, dass die Neuausrichtung der Wissenschaftlergruppe im stillen Kämmerlein von Politik und Verwaltung getroffen wurde. Der A2K ist hierüber höchst irritiert und vermisst eine Information der Öffentlichkeit einschließlich einer Begründung für diese Neuausrichtung der Wissenschaftlergruppe „Arbeitsgruppe Option Rückholung“ (AGO).

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