Asse II: Keine verfrühten Standortfestlegungen!

ADer Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen hält Vorfestlegungen zur Atommüll-Konditionierungsanlage und zu einem langfristigen Zwischenlager bei der aktuellen Datenlage für falsch.

Die wissenschaftlichen Berater des Begleitprozesses in der Arbeitsgruppe Option Rückholung (AGO) sind am 24. Januar 2019 mit einem Diskussionspapier hervorgetreten. Es empfiehlt den „sofortigen Beginn der Standortauswahl in unmittelbarer Nähe zur Asse … für ein Pufferlager, eine Anlage zur Charakterisierung und Umladung der rückgeholten Abfälle, eine Konditionierungsanlage sowie eines Zwischenlagers„.

Die Vernachlässigung wichtiger wissenschaftlicher Vorarbeit (z.B. GNS/WTI-Studie von 2011) und die Überschreitung eigener wissenschaftlicher Kompetenzen, die z.B. bezüglich juristischer Aspekte sogar eingestanden wird, disqualifizieren das sogenannte „Diskussionspapier“ der AGO. Es kann u.E. nicht als wissenschaftlich fundierte Stellungnahme betrachtet werden, sondern stellt einen politisch motivierten Meinungsbeitrag dar.

Drei wesentliche Kritikpunkte:

Vieles ist an dem veröffentlichten sogenannten „Diskussionspapier“ zu kritisieren. 
Drei Punkte möchten wir herausheben: Weiterlesen

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Olympia in Fukushima und bedenkliche Entwicklungen zu Asse II?

Am 11. März jährt sich die Reaktorkatastrophe von Fukushima, am 26. April die von Tschernobyl. Aus diesem Anlass informieren die Mitveranstalter der „Europäischen Aktionswoche für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ Paul Koch und Bodo Walther auf der Mahnwache am kommenden Montag, den 4.3.19 über ihr umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Dabei geht es auch um einen der Austragungsorte der Olympischen Spiele 2020 in Japan – nämlich Fukushima. Fukushima und Olympia? „Strahlende Spiele?“

Außerdem gibt es wie immer Informationen zu Asse II u. a. über

– immer noch gültige Beschlüsse des Kreistages, wonach „insbesondere“ „asse-nah“ nach einem Standort für die Konditionierungsanlage, das Puffer- und das Zwischenlager gesucht werden soll

– das aktuelle „abgestimmte“ Diskussionspapier der Gutachter der Arbeitsgruppe Optionenvergleich/Rückholung

– die weiteren Themen und Planungen der unabhängigen Bürgerinitiativen im Asse II-Koordinationskreis.

Passend zum Karnevalsmontag gibt es dann zum Abschluss noch eine kurze Büttenrede. Die Mahnwache findet wieder vor Seeliger, Lange Herzogstr. 63 statt und beginnt um 18 Uhr.

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Rechtliche Sonderregelung für Atommüll aus Asse II nötig – Unabhängige Bürgerinitiativen fordern Lex Asse 2.0

Der Asse II-Koordinationskreis plädiert dafür, den Widerspruch zwischen dem Erfüllen von Atommüll-Endlagerbedingungen und dem Minimierungsgebot des Strahlenschutzgesetzes durch eine neue Gesetzgebung aufzulösen.

Der Bundestag hat bekanntlich 2013 beschlossen, dass der Atommüll aus der  Schachtanlage Asse II zurückgeholt werden soll, weil er unten nicht langfristig sicher
gelagert werden kann. Aus dem Auftrag zur Rückholung ergeben sich aber bisher
ungelöste Folgefragen.

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Altes Schlafmittel in neuen Schläuchen –

Anmerkungen aus der Anti-Akw-Bewegung zum verkündeten „Kohleausstieg“
Anti Atom Büro Hamburg
Februar 2019

Viel ist zu dem seit einiger Zeit vorliegenden Abschlussbericht der „Kommission für Wachstum, Stukturwandel und Beschäftigung“, in dem
manche gern einen Beschluss zum bundesdeutschen Kohleausstieg sehen, bereits gesagt worden. Kaum beleuchtet wurde der Bericht der sog. Kohlekommission bislang in (bewegungs-)historischer Perspektive.

Diesen Versuch unternimmt der vorliegende Kommentar aus der Anti-Akw-Bewegung, die in den letzten Jahrzehnten bereits zweimal mit ähnlichen Beschlusslagen zu tun und somit Gelegenheit hatte, etwas Erfahrung damit zu sammeln.

Von Akteuren und Anliegen

Wenn Regierungen Kommissionen einsetzen, kann davon ausgegangen werden,
dass das Problem, das sie angehen sollen, so delikat und der
dahinterliegende Konflikt in der Gesellschaft so wirkmächtig geworden
ist, dass eine Lösung bzw. die Befriedung des Konflikts nur möglich
erscheint, wenn alle relevanten Akteure eingebunden sind. Das Ergebnis
solcher Kommissionen muss deshalb immer auch daraufhin analysiert
werden, welche Akteure und Anliegen wie bedient worden sind.

Drei Akteure der Kohlekommission können unmittelbar als Gewinner
beschrieben werden:

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A2K: Zur bevorstehenden Diskussion um Konditionierung und Zwischenlagerung: Kein Atommüll an Wohngebiete!

Die Lagerung und Verarbeitung von Atommüll dürfen nicht in der Nähe von Wohngebieten geschehen. Die Belastungen im Normalbetrieb und die zusätzlichen nicht absehbaren Belastungen bei einem Störfall schließen dies aus. „Der Schutz gegenwärtiger und kommender Generationen vor Radioaktivität muss Vorrang haben vor einer scheinbaren Vereinfachung von Verwaltungsverfahren. Wir weisen alle Versuche des Betreibers von Asse II und anderer Beteiligter zurück, den scheinbar einfachsten Weg zum Umgang mit dem Atommüll zu wählen“, erläutert Heike Wiegel.


Häufig wird von ‚Asse-Müll‘ gesprochen, um daraus eine Verantwortung der Bevölkerung der Region um die Asse für den Müll abzuleiten. „Das ist kein ‚Asse-Müll‘, denn er stammt aus den Atomforschungsanlagen in Karlsruhe und Jülich sowie aus anderen Atomanlagen West­deutschlands. Die Bundesregierung ist Eigentümerin der Schachtanlage samt eingelagerten Müll und trägt die Verantwortung dafür, denn Eigentum verpflichtet bekanntlich“, ergänzt Eleonore Bischoff.


Schon 1964 war es ein Fehler, die Schachtanlage Asse II für geeignet zu erklären, obwohl man von Wasserzuläufen aus dem Deckgebirge wusste. Damals kamen die beteiligten Wissenschaft­ler aus Karlsruhe und Bonn nicht ihrer Verantwortung nach, vor den drohenden Gefahren zu warnen. Sie trugen vielmehr zur Legitimierung einer politischen Vorentscheidung bei.


„Die Ausblendung von Gefahren und Belastungen darf sich bei der Entscheidung über die Standorte von Anlagen, die mit der Rückholung und weiteren Verwahrung des Atommülls aus der Schachtanlage Asse II im Zusammenhang stehen nicht wiederholen“, mahnt Andreas Riekeberg, aus den früheren Fehlern im Zusammenhang mit Asse II zu lernen.

In seinen 27 Grundsatzforderungen vom 22.05.2018 hat der Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen gegen die Flutung von Asse II folgende Punkte formuliert:

Was ist Sachstand an der Asse und wer ist verantwortlich?

„Der radioaktive und chemo-toxische Müll in der Schachtanlage Asse II ist ein gesamtgesellschaftliches Problem der Bundesrepublik Deutschland und nicht nur der betrogenen Region um die Asse.


Die institutionelle Verantwortung für die gescheiterte Einlagerung trägt die Bundesrepublik Deutschland. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland für alle Folgen, für die Vermeidung aller damit verbundenen Gefahren und für die Beseitigung aller Schäden – auch folgenden Generationen gegenüber.


Freisetzungen von Radionukliden wie z.B. Tritium und Kohlenstoff-14 erfolgen ständig! Die Strahlenbelastung der Anwohnerinnen und Anwohner ist seit vielen Jahren an der Schachtanlage Asse II höher als an Atomkraftwerken.“ (aus der Präambel der 27 Grundsatzforderungen).


Grundsatzforderungen zur Lagerung der rückgeholten Abfälle:
(Teil 3 der 27 Grundsatzforderungen des Asse II-Koordinationskreises)


(#16) Anlagenplanung: Trennung von Anlagen


„Wir fordern, dass die Planung von Anlagen zur Pufferlagerung, Konditionierung und Zwischenlagerung eine klare Trennung dieser Anlagen aufweist, damit die Möglichkeit einer räumlichen Trennung offen gehalten wird. Der Auswahlprozess dieser Anlagen muss in der Öffentlichkeit transparent und nachvollziehbar geführt werden.“


(#17) Standortsuche


„Wir fordern, dass bei der Standortsuche für ein Zwischenlager insbesondere bundeseigene Liegenschaften wie Bunker, Tunnel und ehemalige Truppenübungsplätze berücksichtigt werden. Zusätzlich soll Tunnelbau in neuer Bauweise wie in Neckarwestheim mit in den Vergleich einfließen, da diese Bauart gemäß einer Studie des Öko-Institut Darmstadt als relativ störfallsicher gilt.“


(#18) Standortvergleich


„Wir fordern einen fairen und nachvollziehbaren Vergleich von Zwischenlagerstandorten für den Atommüll aus Asse II, weil der Atommüll in einem solchen Zwischenlager für einen nicht absehbaren Zeitraum verbleiben wird. Aus Sicherheitsgründen – insbesondere für Störfälle – müssen bei dem Standortvergleich auch Abstände von mindestens 4 km zwischen dem Zwischenlager und der Wohnbebauung berücksichtigt werden.“


(#19) Transportverpackung unter Tage


„Wir fordern, dass die Möglichkeit einer Transportverpackung unter Tage für den Transport über öffentliche Verkehrswege wie Bahn oder Straße zu Anlagen zur Pufferlagerung, Konditionierung und Zwischenlagerung außerhalb des Betriebsgeländes der Schachtanlage Asse II in die Planung des Betreibers von Asse II einbezogen wird.“


(#20) Dauerbelastung durch Konditionierungsanlage vermeiden


„Wir fordern, dass die Planung des Betreibers von Asse II die Konditionierung an einem asse-fernen Standort einschließt. Dabei sollte aus Sicherheitsgründen und zur Minimierung der Dauerbelastungen der Anwohnerinnen und Anwohner ein deutlich größerer Abstand zur Wohnbebauung vorgesehen werden als es an der Schachtanlage Asse II möglich ist.“
Sollten die BGE als Betreiber von Asse II und die Bundesministerien keine Konsequenzen aus dem damaligen leichtfertigen Umgang mit Risiken bei der Lagerung von Atommüll ziehen, können sie auch heute keine Glaubwürdigkeit bei der Einschätzung von Risiken im Rahmen der Endlagersuche gewinnen.

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Teilnahme an Umweltausschusssitzung statt Mahnwache zu Asse II & Co.

Am kommenden Montag, den 4.2.19, tagt der Umweltausschuss des Landkreises ab 16 Uhr im großen Sitzungssaal im Landkreisgebäude, Bahnhofstr. 11 (Eingang gegenüber der Hauptpost).

Auf der Einladung zur Sitzung sind als Schwerpunktthemen angegeben:
– Diskussion über Schacht Konrad
– Rückholung des Atommülls aus der Schachtanlage Asse II – Weiterentwicklung und Fortsetzung der Asse 2 Begleitgruppe; hier: Bericht der Verwaltung
– Bericht der Landrätin über wichtige Angelegenheiten ggf. mit Aussprache (§ 85 Abs. 4 NKomVG, §§ 23, 5h GO)
Davor und danach ist eine „Einwohnerfragestunde“ vorgesehen.

Die Wolfenbütteler AtomAusstiegsGruppe hat sich deshalb entschieden, die monatliche Mahnwache, die am gleichen Tag ab 18 Uhr stattfinden würde, zugunsten der Teilnahme an der Umweltausschusssitzung abzusagen. Auch wer noch nicht um 16 Uhr im Landkreisgebäude sein kann, kann im Laufe der Sitzung dazustoßen. 

Nach der Sitzung besteht dann sicherlich noch die Gelegenheit, sich vor dem Landkreisgebäude auszutauschen bzw. die Erkenntnisse aus der Umweltausschusssitzung zu bewerten – also sowas wie eine „Mahnwache“.

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Wasserzulauf in Asse II vor Atommüll-Einlagerung bekannt

In den letzten Wochen wurde in Asse II ein deutlich erhöhter Laugenzufluss festgestellt, wie die bundeseigene Betreibergesellschaft BGE meldete (http://t1p.de/asselauge2019).

Bislang war man offiziell davon ausgegangen, dass erst seit 1988 – zehn Jahre nach Ende der Einlagerung von Atommüll – Lauge in die Schachtanlage Asse II zutritt. Doch die Analyse eines Befahrungsprotokolls ergibt: schon 1964 wusste man, dass täglich drei Kubikmeter Wasser eindringen. Also bevor am 4. April 1967 das erste Atommüllfass nach unten gebracht wurde.

Am 29. Januar 1964, heute vor 55 Jahren, besichtigten Vertreter des Forschungsministeriums, der Gesellschaft für Kernforschung Karlsruhe (GfK) und des damaligen Eigentümers die Schachtanlage Asse II, um die Eignung zur Atommüll-Deponierung festzustellen. Es wurde notiert, dass pro Minute ca. zwei Liter Wasser durch den Schacht hineinlaufen (Seite 3). Das sind etwa drei Kubikmeter pro Tag. Man könne den Wasserzulauf eindämmen, sorgte sich aber nicht um den weiteren Verbleib dieses Wassers. 

Auch weitere Formulierungen lassen nur den Schluss zu, dass es allein darum ging, die kostengünstige Einlagerung von Atommüll zu rechtfertigen, nicht aber um eine wissenschaftlich fundierte Beurteilung der Eignung des Salzbergwerks Asse II für Atommüll-Endlagerung. So heißt es: „Positiv zu werten ist vor allem der Preis, der … auf 600.000,– DM beziffert wurde.“ (Seite 4)

Forschungsministerium lies wider besseres Wissen einlagern

Im Forschungsministerium hätten angesichts dieser Beurteilung schon im Frühjahr 1964 (verfasst wurde das Protokoll am 3. März 1964) alle Alarmglocken schrillen emüssen. Stattdessen ließ man die Umrüstung der Schachtanlage Asse II geschehen und durch die Münchner GSF in fast 12 Jahren 50.000 Kubikmeter Atommüll einlagern. Vermutlich immer mit der Angst im Nacken, noch während des Einlagerungsbetriebes könnte sich die Wassermenge den Weg in das Bergwerk hinein suchen, denn tausend Kubikmeter pro Jahr mussten ja irgendwo bleiben. Am Silvestertag des Jahre 1978 wurde der letzte Atommüll in Asse II abgekippt.

Sollten die BGE als Betreiber von Asse II und die Bundesministerien keine Konsequenzen aus dem damaligen leichtfertigen Umgang mit Risiken bei der Lagerung von Atommüll ziehen, können sie auch heute keine Glaubwürdigkeit bei der Einschätzung von Risiken im Rahmen der Endlagersuche gewinnen.

Wir fordern für die Schachtanlage Asse II und für alle Atommüll-Projekte:

1. Wissenschaftliche Expertise muss angefordert und erstellt werden, um Vorhaben kritisch zu prüfen und nicht um politische Vorentscheidungen lediglich zu legitimieren.

2. Genehmigungsbehörden dürfen nicht über kritische Stellungnahmen von Wissenschaftler*innen und Bürger*innen hinweggehen, sondern müssen diese beachten und in den Genehmigungsunterlagen nachvollziehbar bewerten. Der Gerichtsweg zur Überprüfung der Entscheidungen muss allen offenstehen.

3. Akten zu Atommüll-Angelegenheiten müssen für die Öffentlichkeit leicht zugänglich sein; heutige und kommende Generationen müssen auf unbegrenzte Zeit einen Zugang zu originalen und digitalisierten Akten haben und auch zu Analysesoftware, um diese auszuwerten.

zum Protokoll der Begehung

Laugenmanagement seit 1988

Pressemeldung als pdf-Datei

Ergänzende Stellungnahme von Andreas Riekeberg – Mitglied des A2K:

Liebe Asse-Interessierte,

über die Auswertung des Befahrungsprotokolls vom 29.01.1964 haben kurz der NDR und recht ausführlich die Madsack-Mediengruppe (http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Atommuell-Behoerden-wussten-1964-von-Wasser-in-der-Asse) berichtet.

Vermutlich anlässlich dessen hat die BGE eine Stellungnahme veröffentlicht: https://www.bge.de/de/aktuelles/meldungen-und-pressemitteilungen/meldung/news/2019/1/295-schachtanlage-asse-ii/

Darin stellt die BGE die Behauptung auf: „Ein Zusammenhang mit den Zutrittswässern in der Schachtanlage Asse II besteht nicht.“ Für diesen Ausschluss eines Zusammenhanges führt sie leider keine Argumente an, er wird nur behauptet. Es sei denn, man würde als Argument die eher willkürliche Definition des Zutrittes bei 137 m als „betriebliche Lösung“ gelten lassen.

Diese Definition passt nicht zur Klassifizierung der Lösung als als „Deckgebirgslösung“ durch den ehemaligen Betreiber GSF. In einer Dokumentation hat im Jahr 2003 der damalige Betreiber der Schachtanlage Asse II eine „Zusammenstellung und Bewertung der vor 1988 im Grubengebäude der Schachtanlage Asse II aufgetretenen Salzlösungen und Gase“ vorgelegt. (Quelle: https://www.asse.bund.de/SharedDocs/Downloads/Asse/DE/IP/historische-dokumente/stilllegungskonzept-hmgu/07-salz-gas-vor-1988.pdf?__blob=publicationFile&v=2)

Dort heißt es auf Seite 9 zum Zutritt bei 137 m Teufe: „Im Februar 1956 wurden in rd. 137 m Teufe Risse im Tübbingausbau festgestellt [3], die sich in den nächsten Jahren verlängerten und einen Zufluss von ca. 3 l/min hatten. Beobachtungen zufolge hat nach 1959 keine weitere Ausweitung dieser Risse stattgefunden. Die GSF veranlasste 1966, dass der Tübbingteil des Schachtes 2 gereinigt und entrostet wurde, um eventuelle weitere Schäden freizulegen. Bei diesen Reinigungsarbeiten wurden weitere Risse in unterschiedlicher Teufe festgestellt. Einige davon ergaben geringe Lösungszuflüsse. Aus Tabelle 2 können die einzelnen Zutrittsstellen aus den Rissen in den Tübbingsegmenten mit den Zuflussmengen sowie den Teufenangaben entnommen werden. Nach [13] handelt es sich bei den zutretenden Lösungen um Süßwässer, die aus relativ oberflächennahen, gering bzw. nicht salinar beeinflussten Horizonten (evtl. verstürzter  Unterer Buntsandstein) gespeist wurden [26]. Anhand der in Kap. 1 formulierten Definitionen handelt es sich bei diesen Zutritten um Deckgebirgslösungen.“

Zur Unterscheidung von Deckgebirgslösungen und Betriebslösungen schrieb die GSF auf Seite 7 der o.g. Studie: „Die auftretenden Lösungen lassen sich nach Deckgebirgslösungen, Metamorphoselösungen und Betriebslösungen unterteilen [26]. Deckgebirgslösungen entstammen einem offenem System und haben Verbindung mit den Grundwasserleitern des Deckgebirges. Die Zuflussraten werden zum einen durch das Grundwasserdargebot und zum anderen durch ggf. zuflussbegrenzende Engstellen im Zuflusssystem kontrolliert. Aufgrund ihres Restlösevermögens gegenüber Salzgesteinen sind Deckgebirgslösungen sowohl für die Betriebssicherheit als auch für den Nachweis der Langzeitsicherheit kritisch zu bewerten.“

Die „Betriebslösungen“ definierte die GSF folgendermaßen: „Bei den Betriebslösungen handelt es sich um MgCl2-führende Lösungen, die im Rahmen der betrieblichen Maßnahmen im Bergwerk entstehen. Die Herkunft dieser Lösungen ist anthropogen und stets bekannt. Es können Versatzlösungen, Wetterlösungen sowie Schachtropfwässer unterschieden werden. Betriebslösungen sind unkritisch für die Betriebssicherheit und den Nachweis der Langzeitsicherheit, da es sich um begrenzte Mengen bekannter, anthropogener Herkunft handelt.“

Die Frage erhebt sich:

Warum bezeichnet die BGE diese Lösungen, die noch im Jahr 2003 klar als Deckgebirgslösungen galten, nun als „betriebliche Lösungen“? Die Herkunft dieser Lösungen ist nicht bekannt, sie sind nicht bei betrieblichen Maßnahmen im Bergwerk entstanden und werden nicht wie betriebliche Lösungen „aufgefangen, abgepumpt, verwertet oder entsorgt.“

Vielmehr:

Wenn man annehmen muss, dass bei 137 m über einige Jahre relativ gleichmäßig große Lösungsmengen eingetreten sind, dann scheint doch eine zuflussbegrenzende Engstelle oberhalb von 137 m Teufe (gleich 55 m über N.N.) zu liegen. Die nach 1968/69 nicht mehr hier bei 137 m Teufe eintretenden Wässer müssen irgendwo geblieben sein, sollte man annehmen. Es war ein grober Fehler des damaligen Betreibers, den Zufluss abzudichten und zu meinen, damit sei das Problem behoben – es wurde nur verschoben.

20 Jahre später (ab 1988) gibt es etwa 400 m – 500 m weiter unten einen Lösungszutritt, der Anfang der 1990er Jahre in Höhe von etwa 3 m³/Tag aufgefangen wird. Könnte nicht die gleich Engstelle, die den Zufluss bei 137 m begrenzte, auch für die vorläufige Begrenzung des späteren Zuflusses ab 1988 verantwortlich gewesen sein? Beweisen ließe sich diese Hypothese wohl nur dann, wenn man die genauen Fließwege der Lösungszutritte erkunden könnte.

Doch für die von der BGE aufgestellte Behauptung, einen Zusammenhang ausschließen zu können, fehlt eine stichhaltige Begrünung. Zudem wird nicht klar, was die BGE zu dieser Behauptung veranlasst.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Riekeberg

P.S.: Tabelle 1 auf Seite 30 der GSF-Zusammenstellung von 2003 nennt sogar zwei wesentliche Zuflüsse im Schacht: 3,0 l/min bei 136-139 m Teufe und 2,2 l/min bei 173-176 m Teufe (entspricht 4,3 m³/Tag bzw. 3,2 m³/Tag). Hier könnte eine der Quellen für die Erhöhung des Laugenzutritts in die Schachtanlage Asse II im späteren Verlauf auf lange Zeit 12 m³/Tag liegen.

P.P.S.: Wer sich näher mit der Materie beschäftigen möchte, findet hier eine Unterlage über die Lösungszutritte nach 1988: https://www.asse.bund.de/SharedDocs/Downloads/Asse/DE/IP/historische-dokumente/stilllegungskonzept-hmgu/08-salz-gas-nach-1988.pdf?__blob=publicationFile&v=2

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